Der Ausbruch des Santorin-Supervulkans in der Ägäis vor rund 3.600 Jahren riss die Inselwelt vor Ort auseinander und verursachte wahrscheinlich den endgültigen Untergang der ortsansässigen minoischen Hochkultur, die sich auf der nahen Insel Kreta gebildet hatte.

Danach folgten mehrere kleinere Ausbruchsphasen, von denen die letzte 1950 endete. Doch nun schwillt die Magmakammer unter dem griechischen Archipel seit dem Januar 2011 erneut an , wie Geologen um Michelle Parks von der Oxford University mithilfe von Satellitenbildern maßen.

Bis zum April 2012 strömten demnach rund 10 bis 20 Millionen Kubikmeter Gesteinsschmelze in die Magmakammer unter Santorin – genug, um das Londoner Olympiastadium mindestens 15-mal zu füllen. Dieser Mengenzuwachs sorgte dafür, dass sich das Eiland um 8 bis 14 Zentimeter gehoben hat. Gleichzeitig erschütterten immer wieder kleine Erdbeben die Region, von denen die meisten jedoch nur von Seismometern erfasst wurden, weil sie so schwach waren. Auch traten – teils streng riechende, schwefelwasserstoffhaltige – vulkanische Gase an verschiedenen Stellen aus, und das Wasser verfärbte sich in einigen Meeresbuchten durch mineralhaltige Flüssigkeiten.

Für seine Studie hatte Parks' Team eine Reihe von Landvermessungspunkten wieder in Betrieb genommen, die bis 1955 zur Überwachung der Insel dienten. Mithilfe von moderner GPS-Technologie und Satelliten konnte es den Zeitraum der Aufblähung auf die Zeit zwischen Januar 2011 und April 2012 eingrenzen. Die Daten lassen allerdings keine Rückschlüsse auf den Zeitpunkt des nächsten Vulkanausbruchs zu; die Menge an eingeströmtem Magma entspricht allerdings mindestens einem Viertel des Volumens, das die in vier Kilometer Tiefe liegende Kammer vor der Zeit zwischen 1939 und 1941 aufnahm – damals kam es zu einer Reihe von Eruptionen, die den jüngsten vulkanischen Dom, die Insel Kameni im Zentrum des Archipels, mit aufbauten.

Ein Ausbruch in naher Zukunft sei damit zumindest wahrscheinlich, obwohl die seismische Aktivität in den letzten Monaten bereits wieder nachgelassen hat, meint Andrew Hooper von der Universität im niederländischen Delft .

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Eine Explosion des minoischen Typs , wie sie 1600 v. Chr. stattfand, sei allerdings nicht zu befürchten, entwarnt er: Damals drang rund die 1.000-fache Menge in die Magmakammer ein. Zwischen diesem Ausbruch und dem vorletzten derart heftigen lagen zudem etwa 18.000 Jahre Pause: Sie kommen also deutlich seltener vor als eine der kleineren Domeruptionen, die nun eventuell bevorsteht. Beide Formen zapfen jedoch die gleiche Quelle im Erdmantel an: Sie unterscheiden sich nicht im geförderten Gesteinsmaterial. Es hängt also davon ab, wie lange Magma in die Kammer einströmt, ob ein "normaler" effusiver (bei dem Magma mehr oder weniger ruhig ausströmt) oder ein richtig katastrophaler explosiver Ausbruch sich anbahnt.

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