Umgerechnet fast 60 Milliarden Euro jährlich würde es kosten, bestehende Naturschutzgebiete auf der ganzen Welt zu erhalten und neue einzurichten. Nur auf den ersten Blick erscheint diese Summe gigantisch, die eine internationale Forschergruppe nun ausgerechnet hat. Doch sie entspricht weniger als 20 Prozent der weltweiten Ausgaben für Erfrischungsgetränke, berichten die Wissenschaftler im Magazin Science .

Vor zwei Jahren hatte sich die internationale Staatengemeinschaft auf 20 Ziele geeinigt, um bis 2020 den Rückgang der Artenvielfalt zu stoppen. "Man hat aber offengelassen, wie das finanziert werden soll. Deshalb weiß keiner, wie viel das kosten wird", sagt Martin Schaefer von der Universität Freiburg . Der Biologe war an der aktuellen Studie beteiligt. Deren Ergebnisse sollen den Regierungen nun konkrete Zahlen zu den Kosten für Biodiversität und Artenschutz an die Hand geben.

Als Grundlage für ihre Berechnungen nahmen die Forscher Daten zu gefährdeten Vogelarten weltweit. Sie befragten Experten, wie viel Geld für den Schutz bestimmter Arten ausgegeben wird und wie viel notwendig wäre, um diese auf der internationalen Roten Liste für gefährdete Arten niedriger ansiedeln zu können. Daraus entstanden verschiedene mathematische Modelle, mit denen die Experten die Angaben hochrechnen konnten.

Großteil schützenswerter Arten in armen Ländern

Demnach müsste die Weltgemeinschaft jährlich bis zu 1,2 Milliarden US-Dollar (etwa 930 Millionen Euro) in den Vogelschutz investieren. "Tatsächlich werden aber nur zwölf Prozent dieser Summe ausgegeben", sagte Schaefer. Für den Schutz bedrohter Tiere insgesamt schätzen die Forscher die Kosten auf bis zu 4,8 Milliarden Dollar (etwa 3,7 Milliarden Euro) jährlich. Außerdem berechneten sie die Kosten für den Erhalt und die Erschaffung ganzer Schutzgebiete. Hier müsste die Staatengemeinschaft 76,1 Milliarden Dollar (rund 60 Milliarden Euro) im Jahr investieren.

"Unsere Analyse zeigt, dass vor allem reiche Länder mehr tun müssen", sagt Schaefer. Denn der Großteil der schützenswerten Arten und Gebiete befinde sich in den ärmeren Ländern, die jedoch die benötigten Summen nicht aufwenden könnten. Die Studie ergab außerdem, dass sich die Situation von besonders bedrohten Arten mit wenig Aufwand verbessern lässt, da diese meist nur über kleine Gebiete verteilt sind.

Je länger die Staaten warteten, Biodiversitätsziele umzusetzen, desto stärker stiegen die Kosten, folgern die Forscher. Ihre Berechnungen verstehen die Forscher auch als Appell an die Weltgemeinschaft, die derzeit auf einer Konferenz im indischen Hyderabad über den Erhalt der biologischen Vielfalt berät.