Laut Rahmstorf ist es daher wichtig, theoretische Zukunftsprognosen immer wieder mit dem tatsächlich eingetretenen Anstieg abzugleichen. So könnten die zusätzlichen 1,2 Millimeter drastische Folgen haben: "Die Existenz großer Küstenstädte und ganzer Inselstaaten sind gefährdet", sagt Rahmstorf. "Die Häufigkeit schwerer Sturmfluten wie die in New York durch Hurrikan Sandy werden durch den Meeresspiegelanstieg stark zunehmen."

An erster Stelle der Prioritätenliste der Klimapolitiker sollte Rahmstorf zufolge die Minderung der Treibhausgasemissionen stehen. "Wenn wir die globale Erwärmung nicht bald stoppen, müssen wir in den nächsten zwei- oder dreihundert Jahren mit mehreren Metern Meeresspiegelanstieg rechnen – dann helfen vielerorts auch keine Deiche mehr", sagt er. Küstenschutz könne auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn dieser Anstieg in Grenzen gehalten werde.

Vom IPCC berechneter Temperaturanstieg bestätigt

Der vom Weltklimarat kalkulierte Temperaturanstieg um 0,16 Grad Celsius pro Jahrzehnt stimmt mit den neuen Messungen überein. Im Gegensatz zum Anstieg des Meeresspiegels sei die globale Erwärmung relativ einfach zu berechnen, sagt Rahmstorf. "Im Unterschied zur Physik der globalen Erwärmung selbst ist der Meeresspiegel deutlich komplexer."

Das Meereis der Arktis taut nach den Daten des Forscherteams schneller ab, als vom Weltklimarat vorhergesagt. Gleichzeitig nimmt das Eis am Südpol insgesamt zu, wie Forscher erst kürzlich vermeldeten. Meereis beeinflusst den Meeresspiegel allerdings nicht: Eis unter der Wasseroberflächen verdrängt ebenso viel Wasser, wie beim Schmelzen frei wird.