Ein Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen kann so ein Hochwasser aber durchaus  – und zwar vor allem dort, wo der Mensch die Natur verändert hat. Das zeigt sich ausgerechnet an Fischen, von denen man meinen könnte, Wasser mache ihnen wenig aus.

Das Hochwasser spült sie häufig aus ihrem Lebensraum heraus. In natürlichen Flussläufen und Auen wäre das kein großes Problem: Die Fische fänden auch woanders im Fluss genügend Nahrung und könnten problemlos in ihren angestammten Lebensraum zurück schwimmen.

Flucht auf der Donau: Zwei Hirsche schwimmen durch das Überschwemmungsgebiet in Ungarn. © Peter Kolhalmi/​Getty Images

Nicht so einfach ist die Rückkehr in Flüssen, die der Mensch verändert hat. In Deutschland betrifft das fast 90 Prozent der Fließgewässer. In begradigten Flüssen ist die Strömung nämlich stärker – teilweise zu stark für Fische, um flussaufwärts voranzukommen. Wehre und Staudämme versperren den Weg, Seitenarme fehlen, wo kleinere Fische sich vor Raubfischen verstecken könnten.

Hinzu kommt die Bebauung und die Landwirtschaft an den Auen: Nur knapp zehn Prozent dieser an Hochwasser angepassten Lebensräume sind noch in einem naturnahen Zustand.  

Warum das der Natur und dem Menschen schadet? Weil es an Ausbreitungsmöglichkeiten für das viele Wasser fehlt. Gibt es mehr natürlichen Raum zur Überflutung, lastet weniger Druck auf den Deichen und die Höhe der Flutscheitel sinkt. Das Überflutungsrisiko für die Städte wäre geringer. 

Neben diesen Vorteilen für den Hochwasserschutz gibt es auch ökologische Argumente für eine Renaturierung. Auen sind nicht nur Lebensräume mit hoher Artenvielfalt, sondern funktionieren auch als Filter für Sedimente und gelöste Nährstoffe, als Kohlenstoffspeicher und als Grundwasserreservoir.

Angesichts dieser Vorteile hat auch die Politik Bereitschaft zum Rückbau von Deichen und Dämmen signalisiert – eine Forderung, die Naturschützer Hopf schon lange stellt: "Wir müssen bei der Renaturierung alle Interessen berücksichtigen und eine gemeinsame Lösung finden. Neben rein technischen Schutzvorrichtungen müssen zukünftig verstärkt auch ökologische Ansätze realisiert werden, es braucht eine Mischung von beidem", sagt er. Ein bundesweites Hochwasserschutzkonzept sei deshalb alternativlos.

Heizöl, Müll und Chemikalien landen im Fluss

Ein weiteres bisher noch kaum abschätzbares Problem ist, dass die Wassermassen auf ihrem Weg Schadstoffe in die Flüsse und in überschwemmte Gebiete spülen. Heizöl aus überfluteten Häusern, Abfälle aus aufgeschwemmten Deponien oder Dioxin gelangen durch die Flut ins Ökosystem. Was die Schadstoffe anrichten werden, die das aktuelle Hochwasser in den Überschwemmungsgebieten hinterlassen wird, weiß derzeit niemand.