Peng! Nach dem Startschuss müsste der Rekordsprinter Usain Bolt in diesem Rennen wohl Staub fressen. Gegen diesen Gegner hat der schnellste Mann der Welt keine Chance. Ein Wettlauf gegen Acinonyx jubatus wäre sicher nicht fair – aber der Vergleich zeigt die unglaublichen Sprintfähigkeiten eines Geparden. Erstmals haben Wissenschaftler diese recht zuverlässig gemessen. Entstanden ist das erste detaillierte Bewegungsprofil des Hetzjägers.

Das Ergebnis überrascht. Zwar gilt die Wildkatze mit einer gemessenen Höchstgeschwindigkeit von 104 Kilometern pro Stunde (Bolt kommt maximal auf 43,2) als schnellstes lebendes Landtier. Doch das Geheimnis erfolgreicher Beutezüge liegt weniger in dieser Fähigkeit. "Geparden rennen selten derart schnell, vielmehr nutzen sie außergewöhnlich hohe Grade an Beschleunigung, Abbremsung und Richtungswechsel", sagt Alan Wilson vom Royal Veterinary College der Universität von London. Der Professor für Bewegungsbiomechanik leitete die Studie mit drei weiblichen und zwei männlichen Geparden in freier Wildbahn. "Die Tiere müssen ihre Beute mit scharfen Wenden und rasanten Geschwindigkeitswechseln ausmanövrieren", erläutert Wilson das Ergebnis der Analysen, die sein Team unternommen hat und die im Magazin Nature erschienen sind.

In Botsuana östlich des Okavango Deltas zeichneten die Forscher in einem Zeitraum von 17 Monaten 367 Läufe von fünf Geparden auf. Die Tiere trugen Halsbänder, die Wilson und sein Team eigens entwickelt hatten. Darin integriert haben die Forscher unter anderem ein GPS-Modul. So ließ sich satellitengestützt die genaue Position der Tiere in der Savanne ermitteln. Zusätzlich sind die Halsbänder mit einem Trägheitsnavigationssystem ausgestattet. Gyroskope, Geschwindigkeitsmesser und Magnetsensoren bestimmten dabei die genaue Lage des Geparden im Raum. "Es war nicht leicht, die Halsbänder für den Einsatz in freier Wildbahn verlässlich zu machen", sagt Wilson. Die Positionsbestimmungen seien auf ein bis zwei Meter genau.

Ausgeprägte Muskulatur

"GPS wurde bereits vorher genutzt, um Tiere zu verfolgen", sagt der studierte Tiermediziner, "für gewöhnlich aber nur für einige Standortbestimmungen am Tag, nicht aber durchgängig." Die Daten über die Geparden, die sich nun angehäuft haben, zeigen: Im Schnitt rennen die Wildkatzen in hohem Tempo recht wenig. Sie legen täglich etwa sechs Kilometer zurück und flitzen dabei im Schnitt nur etwa zwischen ein bis zwei Mal los. Auch hohe Geschwindigkeiten reizen die Tiere nur selten aus. Die Geparde sprinteten durchschnittlich mit etwa 50 Stundenkilometern und dann auch nur ein bis zwei Sekunden lang.  

Ihnen kommt es während der Jagd vor allem darauf an, schnell vom Fleck zu kommen sowie flink abzubremsen. Während einer einzelnen Schrittfolge beschleunigten die Tiere um bis zu 10,8 Kilometer pro Stunde oder verringerten ihre Geschwindigkeit um bis zu 14,4 Kilometer pro Stunde. Das sei schneller, als Sportpferde beim Polo ihren Lauf verändern können und auch rasanter als Windhunde, die zu einem Wettkampfrennen starten, erläutert Wilson.

Wie ausgeprägt die Beinmuskeln von Geparden sein müssen, wird deutlich, wenn man die gewichtsbezogene Leistung  der rund 50 Kilogramm schweren Tiere ermittelt. So berechnet man auch das Potenzial von Sportlern, etwa von Radprofis. Die Leistung wird in Watt pro Kilogramm angegeben. Die höchsten Werte, die Wilson bei den Geparden registrierte, lagen bei mehr als 100 Watt pro Kilogramm während einer Schrittfolge. Usain Bolt kam während der 9,58 Sekunden seines 100-Meter-Weltrekordsprints im Schnitt auf gerade einmal 25 Watt pro Kilogramm Körpergewicht bei einem Schritt.