Deiche werden in der Regel aber nur für eine Lebensdauer von rund 100 Jahren geplant. "Die Berechnungen beziehen sich üblicherweise auf den Zeitraum bis 2100. Dabei orientieren sie sich zwar an den Aussagen des IPCC, nutzen aber vor allem ihre eigenen regionalen Daten für die Projektionen", sagte Geograf Achim Daschkeit vom Umweltbundesamt ZEIT ONLINE. 

Ein halber Meter Klimazuschlag

In Schleswig-Holstein verstärken Landesschutzdeiche die Küstenlinie an Nord- und Ostsee entlang von 430 Kilometern. "Wir gehen davon aus, dass es 0,5 bis 1,4 Meter Meeresspiegelanstieg geben kann", sagte Jacobus Hofstede, Geograf am dortigen Landesministerium. "In der Konsequenz fügen wir bei der Bemessung der Deichhöhe einen Klimazuschlag von 0,5 Metern hinzu und flachen die Deichböschung ab. Dadurch besteht – quasi als Baureserve – später die Möglichkeit, noch eine Deichkappe von einem Meter Höhe aufzusetzen." Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern planen mit einem geringeren Anstieg.

"Dass der IPCC im nächsten Bericht mit seinen Vorhersagen über anderthalb Meter hinaus geht, halten wir eigentlich für ausgeschlossen. Das sind wenige sehr hohe Vorhersagen einzelner Wissenschaftler. Sollte der IPCC wider Erwarten auf zwei Meter Meeresspiegelanstieg nach oben korrigieren, dann müssten wir neu überlegen. Durch Klimazuschlag und Baureserve hätten wir genügend Zeit für diese Überlegungen", sagt Hofstede.

Nachrüsten ist teuer

Zwar lassen sich Deiche nachträglich verstärken, doch das ist teurer, als sie von Anfang an höher zu bauen. Auf eine auf den Meter genaue endgültige Prognose können Deichbauer ohnehin nicht hoffen. Auch wenn Klimamodelle die Tendenz der Entwicklung vorhersagen können, werden sie im Detail auch künftig immer wieder unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen, je nachdem welche Annahmen getroffen, Parameter berücksichtigt und Messdaten einbezogen werden.   

Die neue Studie untermauert jedoch deutlich, dass der Meeresspiegelanstieg und seine Folgen noch Generationen von Menschen betreffen werden, vor allem, wenn sie weiterhin in Küstennähe bauen. "Es wird eine Anpassung geben müssen", sagt Klimaforscher Levermann.