Da wird einer bald 25, hat groß eingeladen, eine Woche soll die Sause gehen und im Prinzip ist die ganze Welt eingeladen. Das Geburtstagskind hat sich ins Zeug gelegt, etwas Größeres, Komplizierteres gebastelt als je zuvor. Aber die Gäste maulen, einige kritisieren den Jubilar offen. Viele andere zucken enttäuscht mit den Schultern. Ganz zu schweigen von all jenen, denen die gesamte Veranstaltung völlig gleichgültig ist.

So geschieht es ab heute in Stockholm, wo der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) sein jüngstes Werk noch einmal diskutieren und schließlich verabschieden wird. Am Freitag und kommenden Montag stellte er dann die Ergebnisse von sechs Jahren wissenschaftlicher Kleinarbeit vor: Teil eins des fünften Berichts über die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels.

Gewiss wird das Schlagzeilen machen. Ob dabei aber die Inhalte des Berichts dominieren werden oder der Streit um einzelne Punkte oder gar die Kritik am Klimarat selbst, ist bestenfalls offen.

Wie schnell die Nachrichtendynamik aus einer Nichtigkeit Skandalgetöse erzeugt, wurde zuletzt im vergangenen Herbst klar, als der Blogger Alec Rawls sich Zugang zu einem Zwischenstand des Berichts erschlich und diesen veröffentlichte. Inhaltlich waren seine Vorwürfe haltlos. Aber statt sie zu überprüfen, transportierten sie viele Medien einfach: Gemauschel, Geheimniskrämerei, Manipulation. Es war nicht das erste Mal. Anfang 2010 setzten einige falsche Prognosen zur Gletscherschmelze den IPCC unter Druck, im Jahr zuvor hatten gestohlene E-Mails für zahllose, letztlich unbegründete Unterstellungen gesorgt.

Wirklich Neues ist nicht zu erwarten

So viel zur Stimmung im Jahr 25 nachdem die Vereinten Nationen im November 1988 ein zwischenstaatliches Expertengremium zum Treibhauseffekt eingesetzt haben. Sicher ist dem Klimarat vor allem unverhältnismäßige Kritik. Das hat nicht nur mit den Leugnern einer menschengemachten Erderwärmung zu tun, welche diese Situation geschickt auszunutzen wissen. Das hat auch mit den falschen Erwartungen zu tun, die der IPCC mit Präsentationen wie derjenigen in Stockholm weckt.

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Wenngleich der Sachstandsbericht dort mit viel Tamtam auf einer weltweit empfangbaren Pressekonferenz vorgestellt wird: Etwas wirklich Neues enthält er nicht. Kann er gar nicht. Denn der Report ist keine Studie, keine Untersuchung, keine Erhebung. Es handelt sich um eine Metaanalyse: Mehr als 200 koordinierende Autoren und mehr als 600 weitere Autoren haben den Stand der Klimaforschung gesichtet und sortiert, insgesamt mehr als 9.000 Fachveröffentlichungen. Mehr als 50.000 Kommentare zu ihren Entwurfsfassungen wurden abgearbeitet. Dann haben sie daraus den gegenwärtigen Stand des Wissens zusammengefasst und versucht zu beziffern, wie gewiss diese Erkenntnisse jeweils sind. Rund 2.000 Seiten umfasst der Entwurf dieses Mammutvorhabens.

Berücksichtigt wurden darin allerdings nur Fachpublikationen, die bis zum 15. März 2013 vorgelegen haben. Darum sind keine großen Überraschungen zu erwarten. Neue Erkenntnisse haben längst die Runde gemacht. Sie diskutieren etwa, warum die globale mittlere Lufttemperatur seit Jahren stagniert oder wie es um den Anstieg des Meeresspiegels bestellt ist. Der neue Sachstandsbericht fasst zusammen und gewichtet. Er ist lediglich ein Update, wenn auch ein sehr umfangreiches.