In der chinesischen Finanzmetropole Shanghai hat die Smogverschmutzung kritische Ausmaße erreicht. Die Sichtweite betrug am Freitag nur wenige Dutzend Meter. Die Konzentration der gefährlichen Feinstaubpartikel PM2.5 betrug nach Behördenangaben 602,5 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das liegt ein Vielfaches über der von der Weltgesundheitsorganisation WHO vorgegebenen Sicherheitsrichtlinie von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Die Behörden von Shanghai wiesen Jugendliche an, sich nicht im Freien aufzuhalten und ordneten den Stopp von Bauarbeiten an. Am Flughafen wurden zahlreiche Flüge gestrichen, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete. Meteorologen schätzen, dass der gefährliche Smog noch bis zum Ende der Woche anhalten wird.

Die Bewohner von Chinas Großstädten leiden unter dem schlimmsten Smog weltweit. Erst im Oktober war das öffentliche Leben in der Millionenmetropole Harbin durch die Luftverschmutzung zum Erliegen gekommen. Schulen wurden geschlossen, der öffentliche Fernverkehr eingestellt, auf den Straßen kam es zu Massenkarambolagen. 

In den Wintermonaten ist die Smog-Belastung in Chinas Großstädten durch den massiven Einsatz von Kohle besonders hoch. Mehr als drei Viertel des Stroms wird in Kohlekraftwerken produziert.

Die Regierung stand dem Umweltproblem lange Zeit relativ gleichgültig gegenüber und trieb stattdessen die wirtschaftliche Entwicklung der Volksrepublik voran. Doch kann sie das Problem nicht länger ignorieren, die Umweltverschmutzung und ihre Auswirkungen verursachen zunehmend soziale Unruhen. Im November hat die Regierung in Peking Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung vorgestellt. Dazu zählt neben schärferen Umweltauflagen für die Industrie auch ein verminderter Einsatz von Kohle.