Die australische Regierung treibt ihre Pläne voran, Haie an der Westküste des Landes zu bejagen. Seit Dienstag ist es offiziell erlaubt, sogenannte Abschusszonen einzurichten. Dazu sollen an acht beliebten Stränden einen Kilometer vor der Küste Köder ausgeworfen werden. Beißen die Fische an und werden gefangen, droht ihnen der Abschuss. Die toten Tiere sollen anschließend wieder ins Wasser geworfen werden. 

Die Regelung betrifft alle Haie, die länger als drei Meter sind, darunter Tiger- und Bullenhaie und der als gefährdet eingestufte Weiße Hai. Eine vorübergehende Ausnahmegenehmigung erlaubt auch seine Tötung.

Der Ministerpräsident von Western Australia, Colin Barnett, begründete die Maßnahme mit einem besseren Schutz für Badegäste. "Ich weiß, dass viele Australier im Westen, die den Ozean lieben, einen besseren Schutz vor gefährlichen Haien an diesen Stränden wollen", sagte er. In den vergangenen zwei Jahren wurden in Westaustralien insgesamt sechs Menschen von Haien getötet. Zuletzt war Ende November einem Surfer der linke Arm abgerissen worden, der Mann starb noch im Wasser.

Barnett meint auch, für Taucher, Surfer und Schwimmer an der Küste zu sprechen. Unter diesen sind jedoch viele, die entsetzt sind über das Vorgehen der Behörden. So engagiert sich etwa der Schwimmer Damon Kendrick gegen die geplante Jagd. Er selbst verlor als 14-Jähriger beim Angriff eines Bullenhais einen Teil seines rechten Beins. Kendrick ist der Ansicht, dass man nicht in die natürliche Ordnung des Meeres eingreifen dürfe.

"Ich habe nie dem Hai die Schuld gegeben", sagt Kendrick heute. "Damals ist die Population der Bullenhaie geradezu explodiert. Ein Grund war, dass zu jener Zeit aktiv Jagd auf Weiße Haie gemacht wurde. Dadurch, dass der größte Raubfisch quasi aus dem Rennen genommen wurde, entstand ein Vakuum." Dieses habe der Bullenhai dann gefüllt.

Meeresbiologen halten Jagd für nutzlos

Tatsächlich gibt es Zweifel, ob der von den australischen Behörden eingeschlagene Weg die Haiangriffe eindämmen kann. So gibt es Studien eines US-Programms zu Haitötungen, die vor etlichen Jahren vor Hawaii stattfanden. Diesen Ergebnissen zufolge gab es dort trotz der Keulung von etwa 4.500 Haien keine Veränderung bei der Zahl der Angriffe auf Menschen.

"Weiße Haie und Tigerhaie sind beide überaus mobile Arten. Eine begrenzte Tötung würde daher wahrscheinlich keine nachweisbare Veränderung erbringen hinsichtlich des ohnehin schon geringen Risikos, von ihnen gebissen zu werden", sagte der Meeresbiologe Carl Meyer von der Universität Hawaii jüngst im australischen Fernsehen.

Tierschützer weisen noch auf ein weiteres Problem hin. "Es geht nicht nur darum, dass die Leute wollen, dass Haiangriffe gestoppt werden. Diese riesigen Fleischköder vor der Küste können das Risiko eines Angriffs möglicherweise sogar erhöhen", sagte Simon Peterffy von der Marine Response Unit, einer Aktivistengruppe, die sich gegen die Raubfischjagd engagiert. So könnten große Fischschwärme angelockt werden, die wiederum von Haien verfolgt würden.

Aktivisten wollen gefangene Tiere wieder befreien

Mittlerweile findet Peterffys für sein Engagement immer mehr Unterstützer, darunter auch Prominente. So forderten etwa der britische Komiker Ricky Gervais und dessen Landsmann Richard Branson, die Aufhebung des Schutzes für Haie "sollte auf der ganzen Welt verurteilt werden".

Die Aktivisten der Marine Response Unit haben bereits angekündigt, zur Not selbst die gefangenen Raubtiere wieder zu befreien. "Wir sind vorbereitet, zu tun, was immer auch nötig ist, um diese Jagd auf friedliche Weise zu stoppen", sagte Peterffy. "Wir haben rund 20 Skipper mit eigenen Booten, die Teil einer Flotte sind und alles in ihrer Macht stehende tun werden, um die gefangenen Tiere zu befreien".

Einen ersten kleinen Erfolg haben die Tierschützer bereits errungen. Die von der Regierung beauftragten Unternehmen, die die Leinen samt Köder ausbringen sollten, haben gekündigt. Nun wollen die zuständigen Behörden selbst alle Vorbereitungen für die Jagd in die Hand nehmen.