Der im vergangenen Jahr als großer Durchbruch gefeierte Neustart der Suche nach einem Atommüllendlager ist wegen des Bundestagswahlkampfs und der langen Koalitionsverhandlungen ins Stocken geraten. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks von der SPD hat nun angekündigt, das Verfahren wieder in Gang zu bringen. Der Bundestag will möglichst zügig die Expertenkommission etablieren, die eigentlich seit Herbst Grundlagen und Kriterien für die Suche erarbeiten sollte. 

Fertig geworden sind unterdessen Pläne für ein Endlager in Gorleben; zumindest auf dem Papier. Die Tochter der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe (DBE), die DBE TEC, hat detaillierte Zeichnungen und Berechnungen angefertigt, welche Arten von Atommüll im Salzstock Gorleben an welcher Stelle eingelagert werden können. Außer hochradioaktiven Abfällen in Castor- und Polluxbehältern soll demnach auch schwach- und mittelradioaktiver Müll vergraben werden.

Die rund 200 Seiten umfassende Planskizze der DBE TEC-Experten gehört zur "Vorläufigen Sicherheitsanalyse Gorleben" (VSG). Erstellt hat das Gutachten ab 2010 die Gesellschaft für Reaktor- und Anlagensicherheit im Auftrag der Bundesregierung. Die Gesellschaft ihrerseits hat Teilstudien an andere Forschungsinstitute und andere Firmen vergeben; unter anderem an die DBE TEC. Umweltschützer kritisierten deren Nähe zur Atomwirtschaft. Die einstmals staatliche DBE gehört inzwischen den AKW-Betreibern. 

Die SPD befürchtete damals, dass sich alle schon vorab auf den seit Jahrzehnten heftig umstrittenen Standort Gorleben festlegen. Erst nach Protesten sagte die Regierung im vergangenen Jahr zu, die Ergebnisse der VSG so lange auf Eis zu legen, bis die Expertenkommission ihre Empfehlungen vorgelegt habe. Abgebrochen wurde die Studie jedoch nicht, wie von den Grünen und verschiedenen Bürgerinitiativen gefordert. Die vom Bund mit mehreren Millionen Euro geförderten Arbeiten an der VSG sollten zu Ende gebracht werden.  

Gorleben auch für schwach- und mittelradioaktiven Müll interessant

Die Einlagerungspläne der DBE TEC für Gorleben finden sich im "Arbeitspaket 5" der VSG, das ZEIT ONLINE vorliegt. Für den hochradioaktiven Müll – also abgebrannte Brennelemente aus Atomkraftwerken, verglaste Abfälle aus Wiederaufarbeitungsanlagen und andere stark strahlende Komponenten aus Atomanlagen – sind demnach drei Bereiche im östlichen Teil des Salzstocks ("Einlagerungsfelder Ost 1 - 3") vorgesehen.

Aufmerken lässt nun, dass auch die "Einlagerungsfelder West 1 - 3" für schwach und mittelradioaktiven Müll wie abgereichertes Uran aus der Urananreicherungsanlage Gronau oder graphithaltige Abfälle aus den gescheiterten Experimenten mit der Hochtemperaturreaktortechnologie ausgewiesen werden. Überraschend ist das deshalb, weil Gorleben bislang offiziell ausschließlich als Standort eines Endlagers für hochaktiven Strahlenmüll genannt und geprüft wurde. Auch die 2013 neu ausgerufene Endlagersuche dreht sich der Politik zufolge nur um eine Lagerstätte für den hochradioaktiven Müll.