Atommüll-Endlager - Wohin mit dem Atommüll? ZEIT-Redakteur Frank Drieschner über die schwierige Endlagersuche Seit fast 50 Jahren streitet Deutschland um mittlerweile mehr als 12.000 Tonnen strahlendes Material, das sicher untergebracht werden muss. ZEIT-Redakteur Frank Drieschner über die schwierige Suche nach einem geeigneten Endlager.

Nicht weniger überraschend: Die DBE TEC-Skizzen und -Karten benennen unter anderem Einlagerungsbereiche, die dem Bund gar nicht gehören. Die Lüchow-Dannenberger Grafen- und Großgrundbesitzerfamilie von Bernstorff und mehrere Kirchengemeinde weigern sich bekanntlich seit Jahrzehnten, ihnen gehörende Ländereien über dem Gorlebener Salzstock zu verkaufen. Laut Bergrecht, nach dem der Salzstock seit Ende der siebziger Jahre untersucht wird, schließt der Besitz die darunter liegenden Bereiche mit ein. Eine Enteignung der wendländischen Landeigentümer war zwar immer wieder ins Gespräch gebracht worden. Anlässlich der Verhandlungen über das Standortauswahlgesetz hatte die vorherige Bundesregierung aber zugesagt, auf dieses Mittel vorerst nicht zurückzugreifen.

Zweifel am Neustart der Endlagersuche

Aus Sicht der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg zeigen die Pläne, wie real ein Endlager in Gorlebens auf dem Papier schon ist. "Dabei ist die vorläufige Sicherheitsanalyse nur ein Puzzleteil von vielen", bemängelt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Auch die offiziellen Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung hochradioaktiver Abfallstoffe seien auf Gorleben zugeschnitten. 

Zweifel, ob es Politik und Industrie mit einer neuen Endlagersuche wirklich ernst meinen, äußern Anwohner und Atomkraftgegner noch aus einem anderen Grund. Die rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen hatte den Rahmenbetriebsplan für die Erkundung des Salzstocks aufgehoben. Wegen der Unterbrechung bedürfe es für die Arbeiten nun keiner planerischen Grundlage mehr, hatte Landesumweltminister Stefan Wenzel von den Grünen erklärt. Doch das Bundesumweltministerium hat das ihm unterstellte Bundesamt für Strahlenschutz angewiesen, Klage gegen diese Entscheidung einzureichen. Nun bleibt der Plan als Grundlage einer weiteren Untersuchung Gorlebens zunächst in Kraft.