Mit Sigmar Gabriels Vorschlag für eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) geraten die Betreiber von Fotovoltaik-Anlagen wieder in die Kritik. Sie kassieren eine garantierte Einspeisevergütung, die durch die EEG-Umlage finanziert wird. Obendrein verbrauchen sie ihren Strom teilweise auch noch selbst und sparen somit Stromkosten und die EEG-Umlage. Ist das fair? Ich denke: Ja, das ist nicht nur fair, es ist auch der richtige Weg zur Energiewende.

Seit Mitte 2012 betreiben wir eine kleine Fotovoltaik-Anlage mit einer Spitzenleistung von 6 kWp. Wir haben sie angeschafft, um möglichst so viel Strom zu erzeugen, wie wir selbst verbrauchen, damit wir in der Bilanz am Jahresende unterm Strich Energie-autark sind. Im vergangenen Jahr haben wir in unserem Haushalt 5.770 kWh verbraucht. Erzeugt haben wir mit unserer Anlage 5.190 kWh, wovon wir 1.120 kWh direkt selbst verbraucht haben. Damit sind wir unserem ursprünglichen Ziel schon sehr nahegekommen.

Dabei hat es uns überrascht, dass es keine so große Einschränkung bedeutet, die Spül- und die Waschmaschine vorzugsweise tagsüber nach 10 Uhr einzuschalten. Wäsche trocknet sowieso besser draußen bei Sonnenschein und riecht dann auch frischer. Auch Hemden bügeln oder Brot backen können wir mit geringem Planungsaufwand in die helle Tageszeit legen. Wir fingen mit der Zeit sogar an, einen gewissen Ehrgeiz und Spaß am Wettlauf mit der Sonne zu entwickeln.

Natürlich stimmt es, dass unsere Anlage den Strompreis aller Verbraucher erhöht, während wir selber Kosten sparen. Andererseits gehen wir nun viel bewusster mit unserem Stromverbrauch um und richten ihn gezielt nach dem aktuellen Angebot. Wir fangen – im Rahmen unserer bescheidenen Möglichkeiten – die Spitzen des Sonnenstroms ab und entlasten damit die Stromnetze. Und wenn der Strom dort verbraucht wird, wo er entsteht, dann müssen auch keine neuen Stromtrassen gebaut werden, um ihn zu transportieren. Das ist der eigentliche ökologische und ökonomische Nutzen der Eigenerzeugung.

Wir merken am eigenen Beispiel aber auch, dass unser Einsatz alleine nicht ausreicht, um das Klima zu retten. Viel mehr als 20 % oder 30 % Eigenverbrauch werden wir nicht schaffen. Auch nicht mit Batteriespeicher oder wenn wir unseren Drei-Liter-Lupo durch ein Elektromobil ersetzen. Das Sonnenstromangebot ist einfach im Sommer am größten, während im Winter der Verbrauch am höchsten ist.

Damit regenerative Energien den Durchbruch schaffen, wäre es vor allem notwendig, effizientere und preiswertere Technologien zum Zwischenspeichern der elektrischen Energie zu entwickeln. Beispielsweise im Bereich von Wasserspeicherkraftwerken oder Wasserstoff-Brennstoffzellen-Modulen. Dazu sind Innovationen nötig, zu denen wir in Europa fähig sind.

Eine eigene Fotovoltaik-Anlage zu betreiben und den Eigenverbrauch zu optimieren, ist eine der einfacheren Weisen, unseren Lebenswandel nachhaltig zu ändern, und sie macht sogar Spaß. Darum sollten Fotovoltaik-Anlagen und die Eigenerzeugung weiter gefördert werden –  genauso wie die Entwicklung von Speichertechnologien.