Öko-Verordnung - EU will Regeln für Bioprodukte verschärfen

Bioprodukte sollen nach dem Willen der EU-Kommission künftig in ganz Europa wirklich "bio" sein. Dies sollen strengere Auflagen und Kontrollen gewährleisten. Eine entsprechende Reform der europäischen Öko-Verordnung hat die EU-Kommission nun vorgestellt.  

Darin schränkt die EU-Kommission die erlaubten Ausnahmen im Biosektor ein – etwa den Einsatz von konventionellem Futter oder Saatgut. Die Grenzwerte für Verunreinigungen durch Pestizide oder gentechnisch veränderte Produkte sollen strenger werden.   

Auch die Weiterverarbeitung und der Vertrieb sollen einer strengen Aufsicht unterliegen. "Wir brauchen Kontrollen genau dort, wo das größte Risiko besteht", sagte EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos. Die neue Verordnung sieht auch strengere Vorschriften für Produkte aus Drittländern vor, die das EU-Biosiegel tragen wollen, außerdem für EU-Exporte. Kleine Landwirte sollen die Möglichkeit erhalten, die strengeren Auflagen durch eine Gruppenzertifizierung gemeinsam zu erfüllen. Die Vorschläge gehen nun an das Europaparlament und die Mitgliedstaaten, die zustimmen müssen.

Vorschriften könnten Biobauern vor Probleme stellen

Die Ökobranche fürchtet allerdings, dass strengere Auflagen kleinen Biobauern das Leben schwer machen werden. "Damit werden die Falschen bestraft und zwar ausgerechnet diejenigen, die mehr für Trinkwasser- und Bodenschutz tun", sagt Bioland-Präsident Jan Plagge. Würde der Vorschlag der Kommission umgesetzt, könnten gerade viele kleine und vielfältige Biobetriebe das Risiko nicht mehr tragen, Bioprodukte würden noch knapper und teurer. "Die Vorschläge der EU-Kommission bremsen Bio aus", sagte Plagge.

Anstatt die Biobranche weiter zu belasten, sollte Gentechnik auf den Äckern grundsätzlich verboten und die Vorschriften für Pestizide so geregelt werden, dass eine Kontamination von Bioprodukten durch Abdrift aus konventionellen Anbaugebieten ausgeschlossen sei.  

Laut EU-Kommission hat sich der Markt für ökologische Erzeugnisse in den letzten zehn Jahren vervierfacht – die landwirtschaftlichen Flächen hätten sich aber nur verdoppelt. Darum sei "die Versuchung groß, mit Betrug auf die erhöhte Nachfrage zu reagieren", sagte EU-Kommissar Ciolos. Damit solle Schluss sein: "Wir müssen das Vertrauen der Verbraucher stärken."

In der Vergangenheit gab es immer wieder Lebensmittelskandale, bei denen Waren zwar als "bio" deklariert waren, aber gar nicht aus Ökoproduktion stammten oder mit Pestiziden belastet waren. Das schadete dem Ruf der Branche. Verbraucherschützer fordern, dass Kunden sich auf Biowaren verlassen können müssen, weil diese deutlich teurer sind als konventionelle Produkte.