Ein internationales Forscherteam hat im südlichen Golf von Mexiko eines der weltweit größten bekannten Kaltwasserkorallenriffe entdeckt. Auf der Campeche-Bank nahe der Halbinsel Yucatan türmen sich bis zu 50 Meter hohe Korallenhügel. Das Ökosystem erstreckt sich in einer Tiefe von 500 bis 600 Metern über eine Fläche von mehr als 40 Quadratkilometern. Die Ergebnisse haben die Forscher in der Fachzeitschrift Biogeosciences veröffentlicht.

Kaltwasserkorallen stehen seit mehr als einem Jahrzehnt im Fokus der Meeresforschung. Von Norwegen entlang der Küste Europas und Nordafrikas bis Mauretanien und in verschiedenen Regionen des Mittelmeers, aber auch auf der anderen Seite des Atlantiks vor North Carolina und den Bahamas wurden derartige Ökosysteme entdeckt.

Im südlichen Golf von Mexiko waren Kaltwasserkorallenfunde bislang allerdings eher selten. "Aus Echolot-Untersuchungen wussten wir allerdings, dass es vor Mexiko hügelartige Strukturen gibt, die den Kaltwasserkorallen-Hügeln in anderen Regionen sehr ähneln", sagte Expeditionsleiter Professor Dierk Hebbeln vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Uni Bremen.

Professor André Freiwald vom Forschungsinstitut Senckenberg am Meer sagte: "Das Korallenökosystem auf der Campeche-Bank ist in seiner Ausdehnung mit den großen norwegischen Riffen vergleichbar und zählt damit zu den größten Vorkommen weltweit." Die Versorgungslage im südlichen Golf sei geradezu perfekt: "Hohe Produktion an der Meeresoberfläche und starke Bodenströmungen, die herabsinkende Nahrungspartikel in Richtung der Korallenhügel transportieren", sagte Freiwald, der an der Expedition vor Yucatan teilnahm.

Das Alter lässt sich noch nicht schätzen

Wie alt das Riff im Golf von Mexiko ist, konnten die Forscher zunächst nicht sagen. Die Höhe der Hügel lasse nicht direkt auf das Alter schließen. "Dazu bedarf es weitergehender Untersuchungen", sagte Forschungsleiter Hebbeln.

Die oberen Bereiche der Hügel sind lebendig, berichten die Forscher. Dort leben etwa Seeigel, Schnecken und Seelilien. Darunter befinden sich abgestorbene Korallenskelette, in denen Glasschwämme und Seeanemonen leben.