Fisch ist gesund und gut für die Figur, denn er ist vitaminreich, enthält viel Eiweiß und natürlich Omega-3-Fettsäuren, auch sehr gut. Warum soll davon nur der ernährungsbewusste Mensch profitieren? Eben, denn auch Spinnen gehen angeln. Wenn es sich ergibt, verspeisen sie Fisch. Wenn sie einen ergattern, ist das ein Festmahl, schließlich ist so ein Fang im Schnitt doppelt so groß und bis zu viereinhalbmal so schwer wie die Jägerin selbst. Manche Forscher hatten es bereits geahnt, doch erst die systematische Analyse von Spinnenmahlzeiten weltweit offenbart nun, wie verbreitet das Fischmahl unter den vermeintlich nur Insekten fressenden Tieren ist.

"Unsere Beweisführung legt nahe, dass Fisch als gelegentliche Beute von Spinnen von beachtlicher Bedeutung für deren Ernährung sein könnte", sagt der Zoologe Martin Nyffeler. Der Spinnenexperte von der Schweizer Uni in Basel und sein australischer Kollege Bradley Pusey von der Uni von Westaustralien haben sich die Menülisten der Achtbeiner genau angesehen. Im Magazin Plos One präsentieren sie ihre Ergebnisse (Nyffeler & Pusey, 2014).

Die zwei Wissenschaftler blätterten nicht nur in Berichten von Spinnenattacken auf Fische in seichten Gewässern, sondern sammelten auch Belege für die aquatische Ernährung in Laborstudien und im Freiland. Insgesamt 97 Vorfälle sind gut dokumentiert. Auf allen Kontinenten mit Ausnahme der unwirtlichen Antarktis sind fischfressende Spinnen zu beobachten. 54 in Nordamerika, 14 in Südamerika, zwölf in Australien, sieben in Asien, sechs in Afrika und gerade einmal vier in Europa. 

Natürlich sind das immer noch seltene Einzelfälle, aber es zeigt doch, dass angelnde Spinnen verbreiteter sind als gedacht. Zumal wenn man die zu erwartende Dunkelziffer bedenkt, da so eine fischfressende Spinne in freier Natur sehr schwer zu beobachten ist. Am häufigsten gehen offenbar Raubspinnen (Pisauridae) der Gattungen Dolomedes und Nilus fischen, am liebsten in wärmeren Gefilden. Aber wie?

Schwimmen, tauchen, auf dem Wasser krabbeln

Die meisten Fischfresser können schwimmen, tauchen oder sich sogar auf der Wasseroberfläche bewegen. An Bachläufen, Tümpeln, in Sümpfen und Seen warten die geduldigen Raubspinnen auf ihre Beute. Dabei halten sie sich etwa mit ihren Hinterbeinen an Sträuchern oder Steinen fest und strecken ihre Vorderbeine aufs Wasser aus. Dann werfen sie nicht etwa ein Netz aus, sondern die meisten schnappen zu. Ihre Kieferklaue, ein Mundwerkzeug, hacken sie in den Fisch, spritzen diesem Nervengifte ein und ziehen das betäubte oder schon tote aquatische Wirbeltier an Land. Ein Akt von Sekunden bis zu wenigen Minuten. An ihrem Fang futtern die Spinnen dann meist stundenlang herum. Das spreche dafür, dass Spinnen aus dieser Mahlzeit viel Energie ziehen, schreiben die Studienautoren.

Spinnenarten aus mindestens fünf Familien (Pisauridae, Trechaleidae, Lycosidae, Ctenidae, Liocranidae) machen hin und wieder Jagd auf Fische, die zwischen zwei und sechs Zentimeter lang sein können. Achtbeiner im Südosten der USA stehen demnach vor allem auf den Koboldkärpfling und seine Artgenossen (Gambusia spp.). In Zentral- und Westafrika bringen Spinnen auch mal Killifische (Aphyosemion spp.) zur Strecke.

Keine Sorgen müssen sich Spinnen bislang über die Folgen ihrer Ernährungsweise machen. Alle dokumentierten Fangfische gelten als weit verbreitet. Sie sind weder überfischt noch in ihrem Bestand gefährdet.