Bei der Inspektion der Kavernen im Kernkraftwerk Brunsbüttel sind weitere Fässer mit schweren Korrosionsschäden gefunden worden. Nach Angaben des Konzerns Vattenfall ist mehr als jedes vierte Atommüll-Fass in dem stillgelegten Atomkraftwerk beschädigt. Betroffen seien 154 von 573 untersuchten Fässern mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen.  

Die Untersuchung ist aber noch nicht abgeschlossen. Eine Vattenfall-Sprecherin erklärte: "57 Fässer in der sechsten Kaverne konnte die Kamera wegen der engen Lagerung nicht vollständig einsehen." Messungen hätten aber keine gefährliche Radioaktivität angezeigt.

Abgeschlossen werden kann die Inspektion erst, wenn die restlichen Fässer geborgen werden. Ursprünglich war geplant, die Kaverne zuerst vollständig zu inspizieren und dann zu räumen. Die Kaverne VI war zuletzt vor 32 Jahren geöffnet worden. 

Inspektion war überfällig

Der schleswig-holsteinische Energiewendeminister Robert Habeck sagte: "Es ist unfassbar, dass man den Atommüll in den Kavernen so lange sich selbst überlassen hat." Die systematische Inspektion sei überfällig gewesen. Wichtig sei es jetzt, die Bergung voranzutreiben. "Die Fässer müssen raus", sagte Habeck.

Die Atomaufsicht in Kiel hatte Anfang 2012 nach der Entdeckung eines rostigen Fasses angeordnet, dass der Betreiber Vattenfall alle sechs Kellerräume mit insgesamt 631 Fässern mit radioaktiven Abfällen inspiziert und ein Bergungskonzept entwickelt.

Bergung der Fässer beginnt 2015

Die Bergung aller Fässer – dazu gehören dann auch die bisher nicht erfassten Behälter – soll im nächsten Jahr beginnen. Dann wird der Atommüll in endlagergerechte Behälter verpackt und auf dem Gelände des Kernkraftwerks zuerst in den bereits vorhandenen Transportbereitstellungshallen gelagert. Später soll der Müll in ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gehen.

Vattenfall teilte mit: "Die Kavernen sind sicher, weder für das Personal noch für die Bevölkerung besteht Gefahr." Nicht die Fässer, sondern die Kavernen aus Beton und einem 110 Zentimeter dicken Betonriegel stellten die Schutzbarriere für Mensch und Umwelt dar.