Jimmy McGuire war überrascht, als er eines Nachts im Regenwald von Sulawesi einen Frosch aufsammelte und es plötzlich in seiner Hand vor Kaulquappen nur so wimmelte. Dabei hatte der amerikanische Herpetologe seit Jahrzehnten geahnt, dass Frösche Nachwuchs gebären können, der zumindest weiter entwickelt ist als ein Ei. Nun endlich hielt er den lebenden Beweis in Händen. Nur komisch, dass der Forscher von der kalifornischen Berkeley-Universität die Urmutter der Froschgeburt im ersten Moment für ein Männchen gehalten hatte. 

Schon vor Jahrzehnten entdeckte sein indonesischer Kollege Djoko Iskandar eine besondere Gruppe von Fröschen, die nur in Indonesien vorkommt und der man die Lebendgeburt zutraute. Die Männchen dieser fang frogs, wie sie auf Englisch heißen, tragen am Unterkiefer zwei ungewöhnliche Knochenfortsätze, die an Reißzähne erinnern – der Anblick ähnelt dem eines Giftschlangen-Gebisses. Die Männchen setzen sie in Revierkämpfen ein.

Das weibliche Exemplar, das McGuire im vergangenen Sommer beim Zurweltbringen von Kaulquappen erwischte, zählt zu einer bisher nicht beschriebenen Art. Limnonectes larvaepartus tauften die Forscher den Frosch, den sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins Plos One (Iskandar et al., 2014) vorstellen.

Innere Befruchtung – unter Fröschen extrem selten

Einer Lebendgeburt muss eine innere Befruchtung vorausgehen – das ist unter Fröschen ausgesprochen selten. Von gut 6.000 Arten sind gerade mal ein Dutzend bekannt, bei denen es das Sperma direkt in den Körper des Weibchens schafft. Wie das vonstatten geht, bleibt rätselhaft. Spezielle Fortpflanzungsorgane dafür haben die Froschmännchen nämlich nicht.

Normalerweise klammert sich das fast immer kleinere männliche Tier zur Paarung am Rücken des Weibchens fest und verharrt dort. Sobald das Muttertier mit dem Laichen beginnt, befruchtet das Männchen die Eier, die von einer schützenden Gallertschicht umgeben sind. Darin wachsen die mit Kiemen ausgestatteten Kaulquappen heran, schlüpfen schließlich und leben im Wasser. Während der Metamorphose zum Frosch bilden sich einfache Lungen aus, sodass die Amphibien als erwachsene Tiere an Land atmen können.