Am 11. März 2011 gegen 14.45 Uhr bebte die Erde im Ozean vor Japan mit einer Magnitude von 9. Das war das stärkste je in Japan gemessene Erdbeben.

Dem Seebeben folgte ein verheerender Tsunami. Im Nordosten der japanischen Hauptinsel Honschu wurden mehr als 470.000 Gebäude komplett zerstört oder so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr bewohnbar waren.

Das Zentrum der Doppelkatastrophe, bei der mehr als 15.000 Menschen starben und knapp 6.000 schwer verletzt wurden, war die Provinz Sendai. Rund 3.000 Menschen werden bis heute vermisst. 350.000 Menschen wurden obdachlos. Auf die Naturkatastrophe folgte wenige Stunden später eine von Menschen gemachte: die Atomkatastrophe in Fukushima.

Wie sieht es in Fukushima fast vier Jahre nach der Katastrophe aus?

Nach dem Erdbeben erreichten Tsunamis die sechs Atomreaktoren in Fukushima Daiichi mit einer Höhe von bis zu 14 Metern und lösten einen totalen Stromausfall aus. In der Folge schmolzen drei Reaktorkerne durch. Bei mehreren Explosionen wurde darüber hinaus auch Reaktor vier so stark beschädigt, dass das Nasslager, in das der gesamte Reaktorkern wegen eines Brennelementewechsels und einer technischen Überprüfung ausgelagert worden war, gefährdet war. Das Nasslager ist inzwischen geräumt. Ein Jahr lang hat die Betreiberfirma Tepco die Brennelemente aus dem Becken des vierten Blocks herausgeholt und in ein zentrales Brennelementebecken umgelagert. Im November 2014 ist sie damit fertig geworden.

Die drei Reaktoren werden weiterhin gekühlt. Jeden Tag pumpt Tepco rund 300 Tonnen Wasser in die Gebäude, um zu verhindern, dass die geschmolzenen Kerne wieder in eine Kettenreaktion übergehen. In welchem Zustand und wo genau sich das verflüssigte Brennmaterial befindet, weiß niemand. Vor wenigen Tagen hat Tepco ein neues Untersuchungsprogramm angekündigt. Diesmal soll mit Strahlenexperimenten versucht werden, die radioaktive Masse zu orten. Der Physiker Heinz Smittal, der im Herbst zuletzt für die Umweltorganisation Greenpeace vor Ort gewesen ist, hält die Bemühungen von Tepco durchaus für sinnvoll. Allerdings habe sich seit Beginn der Katastrophe immer wieder gezeigt, wie schwierig sie zu managen sei.

Wie will die Betreiberfirma Tepco das kontaminierte Wasser in den Griff bekommen?

Das größte Problem in Fukushima ist das radioaktiv kontaminierte Wasser. Zum einen fließen täglich rund 800 Tonnen Grundwasser in das Gelände ein, schreibt Smittals Kollege Shaun Burnie in einem aktuellen Statusbericht für Greenpeace. Rund 300 Tonnen dieses Wassers sind stark verstrahlt. Inzwischen stehen Hunderte großer Stahlbehälter auf dem Reaktorgelände, in denen das radioaktive Wasser gelagert wird. Dennoch passiert es immer wieder, dass stark strahlendes Wasser in den Pazifik fließt – zuletzt in dieser Woche. Tepco sucht nach den neuen Lecks, hat sie aber offenbar noch nicht gefunden.

Seit zwei Jahren bemüht sich das Unternehmen Verfahren zur Dekontamination dieser Wassermassen zu finden. Es werden Verfahren dreier Unternehmen erprobt, die aber alle unter den Erwartungen geblieben sind. In diesem Jahr hat Tepco nach eigenen Angaben etwa 20.000 Tonnen Wasser von radioaktivem Cäsium und Strontium befreit. Tepco bemüht sich deshalb vor allem darum, den Wasserzufluss zu begrenzen. Das geschieht mit Brunnen, die den Grundwasserspiegel senken. Das Verfahren wird auch beim Braunkohletagebau angewendet. In der Lausitz sind die Folgen zu besichtigen.

Außerdem soll das Gelände mit einer 30 Meter tiefen "Eiswand" in einer Länge von 1,5 Kilometern gesichert werden. Dazu seien 1500 Stahlrohre ins Erdreich eingebracht worden, berichtet Smittal, die auf minus 30 Grad gekühlt werden sollen. Sechs Jahre lang soll das Erdreich so nach und nach eingefroren werden. Ein ähnliches Verfahren ist beim Bau der Berliner U-Bahn zum Einsatz gekommen. Der erste Versuch, mit dieser Technik den Zufluss des Wassers in den Pazifik zu bremsen, ist allerdings nicht geglückt.

Das Meer soll nun mit einer 30 Meter ins Erdreich getriebenen Spundwand gesichert werden. Smittal sagt allerdings, dass geologische Karten den Schluss zuließen, dass unter dem Reaktorgelände bis zu 200 Meter Sand- und Bimsstein zu finden seien, die beide wasserdurchlässig sind. Dennoch sind die Messergebnisse im Ozean, wenn nicht ein neues Leck stark strahlendes Wasser ins Meer führt, relativ unauffällig. Allerdings misst bisher nur Tepco regelmäßig die Radioaktivität in einem 20-Kilometer-Radius im Meer.