Für die Menschen in Nepal ist es das schwerste Beben seit mehr als 80 Jahren: Mindestens 3.837 Menschen starben am Wochenende, mehr als 6.500 wurden verletzt. Die Krankenhäuser sind heillos überfüllt – die Menschen müssen auf der Straße medizinisch versorgt werden. Das Beben der Stärke 7,8 hatte sein Zentrum 80 Kilometer nordöstlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu – nur etwa 18 Kilometer unter der Erde. In der Hauptstadt richtete es verheerende Schäden an. Historische Tempel und Kulturstätten sind nicht mehr.

So dramatisch dieses Beben auch ist: Starke Verwerfungen im Untergrund sind keine Seltenheit. "Weltweit erwartet man jedes Jahr ungefähr ein Magnitude-8-Beben", sagt Torsten Dahm vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. Gefährdet seien besonders jene Regionen, in denen sich die riesigen Gesteinsplatten von Erdkruste und oberem Erdmantel aufeinander zubewegen. Dazu zählen Gebiete vor Chile, Japan oder in Indonesien. "Schwächere Beben an solchen Plattengrenzen treten fast täglich oder wöchentlich auf. Sie sind aber so schwach, dass man sie oft gar nicht spürt", sagt Dahm.

Unter Nepal sind es die eurasische und die wesentlich kleinere indische Platte, die sich mit beachtlichen vier Zentimetern pro Jahr aufeinander zu bewegen. Die kollidierenden Gesteinsmassen türmten im Laufe der Zeit den Himalaya auf und verursachen eine der aktivsten Erdbebenzonen der Welt. Dass die Erde dort wieder stark beben würde, war in den vergangenen Jahren vorausgesagt worden. Bereits in den Jahren 1344, 1833 und 1934 hatte es in der Region vergleichbar starke Erschütterungen gegeben. Nach dem letzten Beben waren etwa 17.000 Menschen gestorben. Statistisch gesehen war es nur eine Frage der Zeit, bis das Erdreich wieder zu rumoren beginnt.

"In der Regel sind die Platten ineinander verhakt, Spannungen bauen sich über Jahrzehnte hinweg auf und werden dann durch Erdbeben wieder abgebaut", sagt Dahm. "Die Erdschollen gleiten dann ruckartig gegeneinander." Während des aktuellen Bebens ist die Plattengrenze auf einer Länge von etwa 150 Kilometern gebrochen.

Entlang der gesamten indisch-eurasischen Plattengrenze, die sich in Ost-West-Richtung über mehr als 1.000 Kilometer erstreckt, gibt es erdbebengefährdete Zonen. "Es gab zum Beispiel 1905 im indischen Kangra ein Beben der Magnitude 7,6  und 2005 eines bei Kaschmir mit der gleichen Stärke", sagt Torsten Dahm. Auch dort könnten natürlich in Zukunft Starkbeben auftreten.

Auch wenn die Wissenschaftler berechnen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Region bald wieder beben wird: Konkrete Vorhersagen lassen sich auf diese Art bis heute nicht treffen. Zu unberechenbar sind die Spannungen im Erdreich.

Lassen sich Katastrophen wie die in Nepal verhindern? Millionen Menschen weltweit wohnen in Erdbebengebieten, daran wird sich nichts ändern. Wie können sie geschützt werden?

Selbst wenn die Menschen möglichst frühzeitig gewarnt und wie in Japan angehalten werden, Erste-Hilfe-Koffer zu Hause aufzubewahren: Entscheidend ist auch eine erdbebensichere Bauweise. Stürzen Gebäude ein, haben Menschen in dicht besiedelten Großstädten schlechte Chancen.