Die Konzentration von Pflanzenschutzmitteln überschreitet in vielen Gewässern der Erde die jeweils gültigen Grenzwerte. Das zeigen Ergebnisse einer Studie der Universität Koblenz-Landau. Auch in Deutschland liegen die Werte demnach bedenklich hoch.

"Es ist in Deutschland ähnlich wie überall", sagte Mitautor Ralf Schulz vom Institut für Umweltwissenschaften der Universität. Zwischen Ländern mit strenger Umweltgesetzgebung und weniger restriktiven Ländern gebe es kaum Unterschiede. Für Menschen in Deutschland bestehe aber keine direkte Gefahr, das Trinkwasser sei gut überwacht.

Für ihre Analyse werteten Schulz und seine Mitautoren 838 Studien aus 73 Ländern aus. In insgesamt 11.300 Proben wurden Mittel nachgewiesen, die für Insekten und Kleinkrebse giftig sind. In mehr als 50 Prozent der Fälle waren diese Stoffe höher konzentriert als zugelassen.

Daten nur in wenigen Gewässern erfasst

Schulz geht zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. Weltweit lägen nur Daten von etwa zehn Prozent der Gewässer vor. Wie es um den großen Rest bestellt ist, ist unklar. Außerdem seien Insektizide oft nur an zwei bis drei Tagen im Jahr in den Gewässern nachweisbar. "Auch in hoch belasteten Gewässern findet man nur an wenigen Tagen im Jahr Insektizide, weil sie sehr schnell abgebaut oder im Fall von Fließgewässern abtransportiert werden", so Schulz. Bei hohen Konzentrationen reiche aber ein kurzer Zeitraum, um alle Insekten im Gewässer zu töten.

Als eine Ursache für die hohen Werte vermuten die Wissenschaftler Fehler bei der Anwendung der Mittel in der Landwirtschaft. Auch das Umweltbundesamt geht davon aus, dass Landwirte die Bestimmungen beim Einsatz der Gifte häufig nicht einhalten. Ein weiteres Problem sehen die Wissenschaftler in der Zulassung der Mittel: Die Höchstkonzentrationen würden bei der Markteinführung häufig unrealistisch eingeschätzt, heißt es in der Studie.

Die hohe Konzentration an Insektiziden gefährde die Artenvielfalt weltweit. Und in vielen Teichen und Bächen ist der Schaden längst angerichtet. Denn die Daten der Metastudie stammen aus wissenschaftlichen Artikeln aus den Jahren 1962 bis 2012. Dass die Belastung in der jüngeren Vergangenheit abgenommen hat, ist unwahrscheinlich: Bei neueren Mitteln sei die Wirkung bedenklicher als bei älteren, schreiben die Wissenschaftler.