Dass der recycelte Meeresmüll nur ein Teil der Lösung sein kann, darin sind sich Parley, Adidas und Greenpeace einig. "Produkte aus Ozeanplastik herzustellen hilft uns dabei, Bewusstsein zu schaffen und Aufräumarbeiten an Küsten und im Meer zu finanzieren", sagt Parley-Gründer Gutsch. Einig sind sich auch alle, dass möglichst kein neues Plastik produziert und der Kunststoff nicht in die Gewässer gelangen soll. Weil das Problem aber so groß ist, brauche es auch große internationale Initiativen, sagt Greenpeace-Mitarbeiter Santen.

Die Plastiktüte soll verschwinden

Den Zustrom von neuem Plastik in die Meere zu begrenzen ist auch das Ziel einer weiteren Adidas-Aktion. Im Zuge der Parley-Kooperation hat der Konzern beschlossen, Plastiktüten aus den Filialen zu verbannen. "Wir untersuchen gerade, in welchem Land welche Lösung am besten passt", sagt Jochen Denninger. "In Europa ist sicherlich Papier eine Alternative." In Ländern mit höherer Luftfeuchtigkeit müsse man eventuell auf Varianten aus Stoff zurückgreifen.

Das Unternehmen eilt damit einem Gesetzesentwurf des EU-Parlaments voraus, nach dem EU-Bürger in Zukunft weniger Plastiktüten verbrauchen sollen. "Es wäre toll, wenn die Plastiktüte auf Dauer verschwinden würde", sagt Resch von der Deutschen Umwelthilfe. "Wir fordern deshalb in Deutschland eine Abgabe von 22 Cent pro Tüte, wie sie in Irland bereits eingeführt wurde." Doch auch die Alternativen müsse man sich genau anschauen. Je nach Produktionsweise werde auch eine Papiertüte im Vergleich zu einer rohölbasierten Plastiktüte "erst dann ökologisch interessant, wenn diese drei bis vier Mal wiederbenutzt wird", heißt es auf der Internetseite der Organisation.

Um zu beurteilen, ob es sich bei Aktionen wie denen von Adidas um Greenwashing oder eine ernstzunehmende Initiative handelt, hilft ein Blick auf die Firmenpolitik im Ganzen. Im Oekom Corporate Responsibility Review 2014, in dem die Ratingagentur mehr als 3.000 Unternehmen auf ihre Nachhaltigkeit hin untersucht hat, zählt Adidas zu den zehn besten seiner Branche, ist aber mit einem C+ von der Bestnote noch ein gutes Stück entfernt. Als positiv hebt der Bericht beispielsweise das "angemessene Managementsystem für die Zuliefererkette hinsichtlich der Arbeitnehmerrechte und Arbeitsbedingungen sowie Umweltstandards" hervor. Negativ wird die "mangelnde Transparenz hinsichtlich Daten zu Emissionen und Ressourcenverbrauch in Geschäften und Lieferkette" gewertet.

Trotz Mängel scheint es bei Adidas durchaus ernstzunehmende Bemühungen im Bereich Nachhaltigkeit zu geben. So hat der Konzern 2014 nach einer Verwarnung durch Greenpeace gefährliche Chemikalien aus der Produktion verbannt. "Ein wichtiger Schritt hin zu einer saubereren Textilproduktion", sagt Greenpeace-Mitarbeiter Santen.

Transparente Berichterstattung ist nötig

Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich über die Mode à la Ozeanplastik sagen: Die Idee hat das Potenzial, sich als sinnvoll zu erweisen. Sie zeigt ein Finanzierungsmodell für die Reinigung der Strände auf und könnte helfen, die Plastifizierung des Planeten zu verlangsamen. Doch die Methode muss sich künftig daran messen lassen, wie ihr Fußabdruck im Vergleich zu anderen Methoden der Textilherstellung ausfällt. Um das zu bewerten, braucht es in Zukunft eine transparente Berichterstattung über die Lebenszyklen der Produkte und die beanspruchten Ressourcen.

Noch ist unklar, ob das Projekt einen Maßstab erreicht, der wirklich einen Fortschritt bedeutet, denn Adidas will sich bisher nicht festlegen, wie viel Tonnen Ozean-Müll recycelt werden können. Je nach Ergebnis, könnte sich die Aktion am Ende doch vor allem als Wohlfühl-Aktion für Firmen und Verbraucher herausstellen.

Vielleicht hat Adidas aber auch keine andere Wahl, als sich mit  Nachhaltigkeitsthemen zu beschäftigen. Denn für Gutsch ist klar: "Marken, die Umweltschutz heute nicht zum Kern ihrer Marke machen, werden morgen keine Existenzberechtigung mehr haben."