Der Fotograf Siphiwe Sibeko hat die Jagd einer Reisegruppe des Iwamanzi Game Reserve dokumentiert. Klicken Sie auf das Bild, um zur Fotostrecke zu gelangen. © Siphiwe Sibeko/​Reuters

Würde die Trophäenjagd verboten, wäre die Zukunft der Tiere weit ungewisser als jetzt, sagt Cooney. In einem drastischen Szenario beschreibt sie, warum Wildtiere keine Chance haben, wenn künftig keine Gelder aus dem Jagdtourismus mehr an die Öffentlichkeit fließen würden. Der Hwange National Park, aus dem der Löwe Cecil ursprünglich stammte, wird maßgeblich durch die Trophäenjagd im Rest des Landes finanziert. Wird sie ausgesetzt, fehlen Gelder, Angestellte müssen entlassen werden, die daraufhin ihre Familien nicht mehr ernähren können. Statt sich für den Schutz ihrer Tierwelt einzusetzen, töten sie sie selbst und nehmen bereitwillig Bestechungsgeld von Wilderern an – die bedrohten Arten sind vollkommen schutzlos.

"Im Einzelfall, wenn die Jagd Bestandteil eines integrierten, umfassenden Schutz- und Nutzungskonzeptes ist, tolerieren wir deshalb die Trophäenjagd", sagt WWF-Mitarbeiterin Sylvia Ratzlaff. "In der Regel ist die Zahl der von Hobbyjägern erlegten Tiere in der Regel äußerst gering und Wilderei stellt die wesentlich größere Bedrohung für Tierarten wie Elefant und Nashorn dar."

Man dürfe nicht vergessen, dass die Tierwelt für die Anwohner einen anderen Stellenwert hat als für uns, sagt Ratzlaff. Die Bevölkerung in Afrika wächst, mehr Menschen brauchen mehr Platz. Die Tierwelt ist Stadtplanern und Bauern, die ihr Land erweitern wollen, da oft im Weg. Elefanten vernichten Ernten, Löwen reißen Herden. "Das Großtiermanagement soll helfen, das Leben von Tier und Mensch möglichst problemlos verlaufen zu lassen", sagt Ratzlaff. Und dazu gehört eben auch, dass die Bevölkerung gut am Umweltschutz mitverdienen kann, weil beispielsweise neue Arbeitsplätze geschaffen und Wirtschaftszweige aufgebaut werden.

Von Jagd als Entwicklungshilfe kann nicht die Rede sein
Daniela Freyer, Pro Wildlife

Tatsächlich aber profitieren Parks und Anwohner bislang nur bedingt vom All-inclusive-Jagdtraum der Großwildjäger. Die Reiseveranstalter fahren nachweislich den Großteil der Gewinne ein. Teilweise sind staatliche Gebühren oder eine community fee für die Gemeinde am Ort im Angebotspreis enthalten. Aber der Anteil ist gering. Laut eines IUCN-Reports von 2009 verdient die lokale Bevölkerung in Afrika durchschnittlich 20 Euro-Cent pro Person daran, dass Auslandsjäger Elefanten, Löwen oder Giraffen in ihrer Heimat erlegen. Zum Staatshaushalt trägt die Großwildjagd in Afrika nur 0,006 Prozent bei. Wie die IUCN berichtet, schafft die Jagd in Afrikas acht wichtigsten Jagdländern, in denen 140 Millionen Menschen leben, gerade einmal 15.000 lokale Teilzeit-Arbeitsplätze. "Es ist ein Geschäft, das sich weit über den Köpfen jener abspielt, die sich nicht einmal ein Stück Land kaufen können, um dort Ackerbau zu betreiben", schrieb der Journalist Joseph Maramba aus Simbabwe auf ZEIT ONLINE.

Fotosafaris sind nicht für jede Region die Lösung

"Von Jagd als Entwicklungshilfe kann sicherlich nicht die Rede sein", sagt Tierschützerin Freyer. Im direkten Vergleich sei der Fototourismus erwiesenermaßen die lukrativere Einnahmequelle, wie Parks in Kenia oder Botsuanas Okavango-Delta zeigen. Kenia nimmt jährlich eine Milliarde US-Dollar mit Fototourismus ein – 30 Millionen wären es durch die Trophäenjagd gewesen.

Doch auch hier gebe es Einschränkungen: Viele Regionen, die sich für die Trophäenjagd eignen, sind für Fototouristen nicht attraktiv genug. Oder: Einzelne Länder seien zu arm, um die benötigte Tourismus-Infrastruktur aufzubauen, die erst geschaffen werden muss, damit Fotosafaris angeboten werden können. Auch fließt selbst vom Fototourismus nur ein geringer Anteil in die Geldtöpfe von Staat und Bevölkerung. Immerhin aber dezimiert dieses Konzept nicht weiter die Zahl bereits stark gefährdeter Tierarten.

Wer mit Freude Tiere tötet, lässt sich davon nicht leicht beeindrucken. Wer sich überlegen fühlen möchte, weil er einem prächtigen Elefantenbullen das Leben und seine Stoßzähne genommen hat, der darf sich dem legal widmen. In wenigen Fällen kann er damit tatsächlich zum Schutz einzelner Arten beitragen. Die Trophäenjagd als solche bleibt aber vor allem eines: ein Luxus-Sport und die Demonstration von Macht auf Kosten der Natur.