Der Trend zu Wetterkatastrophen ist zunehmend: Zu diesem Ergebnis kommen die Experten von der UNISDR, der Behörde der Vereinten Nationen (UN) für die Reduzierung von Katastrophenrisiken. 3.400 Fälle von extremem Wetter wie Überschwemmungen und Dürren hat die UNISDR in den vergangenen zehn Jahren gezählt – 14 Prozent mehr als in den zehn Jahren davor und fast doppelt so viele wie im Zeitraum von 1985 bis 1995.

"Die Welt zahlt einen hohen Preis", fasste UNISDR-Chefin Margareta Wahlström die Fakten des neuen Berichts zusammen. So seien in den vergangenen 20 Jahren mehr als 600.000 Menschen ums Leben gekommen. Zudem wurden mehr als vier Milliarden weitere Menschen verletzt, verloren ihr Zuhause oder wurden von Nothilfe abhängig.

Insbesondere die steigende Zahl an Überflutungen und Stürmen sei bedenklich, heißt es in dem Bericht. Auch die vielen Dürren, Hitzewellen und Kälteperioden seien besorgniserregend. Fast jede zweite Wetterkatastrophe (47 Prozent) seit 1995 war eine Überschwemmung, vor allem in asiatischen Ländern richteten Fluten große Schäden an. Mehr als 2,3 Milliarden Menschen waren demnach davon betroffen, 157.000 kamen ums Leben. Tödlicher verliefen nur Sturmkatastrophen, denen 242.000 Menschen – die meisten von ihnen aus ärmeren Ländern – zum Opfer fielen.

Gemessen an der Zahl der Geschädigten zählten vor allem Chinesen und Inder zu den Leidtragenden der Wetterkatastrophen. Zwei Drittel der 4,1 Milliarden Betroffenen lebten in einem der beiden Länder. Dahinter folgen Bangladesch und die Philippinen mit jeweils etwa 130 Millionen Verletzten oder Obdachlosen. Den finanziellen Schaden etwa durch zerstörte Häuser, Schulen und Krankenhäuser beziffert die UNISDR weltweit auf insgesamt 1,8 Billionen Euro.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass die UNISDR diesen Bericht nur eine Woche vor Beginn der internationalen Klimaberatungen in Paris veröffentlicht. Eine direkte Linie zwischen Wetterextremen und Klimawandel lässt sich zwar nicht ziehen. Allerdings gehen Wissenschaftler fest davon aus, dass Katastrophen wie Überschwemmungen, Stürme und Dürren durch die Erderwärmung gehäuft auftreten. Die veränderten Bedingungen werden in Zukunft solche Ereignisse begünstigen. Das weiß auch UNISDR-Chefin Wahlström. Sie sagt: "Dieser Bericht unterstreicht, warum beim Klimagipfel ein neues Abkommen geschlossen werden muss."

UNISDR-Chefin hofft auf Klimaschutzabkommen

Ab dem kommenden Montag trifft sich die Staatengemeinschaft in der französischen Hauptstadt, um in den darauffolgenden zwei Wochen ein globales Klimaschutzabkommen auszuarbeiten. Erklärtes Ziel ist es, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Das Abkommen soll ab 2020 das Kyotoprotokoll ablösen.