Morgen wird's vielleicht zu heiß zum Überleben – Seite 1

Die Welt ist schon jetzt eine andere. Langsam, aber sicher zeigt sich, wie der Mensch das Klima verändert. Die Kontinente heizen sich auf, die Ozeane erwärmen sich, und immer mehr Gletscher ziehen sich zurück. Die Prognosen aus dem vergangenen Jahrhundert sind wahr geworden – deshalb verhandeln die Regierungen jetzt in Paris über einen neuen Klimavertrag. Sie wollen die Emissionen endlich verringern, damit der Klimawandel beherrschbar bleibt.

Wer noch immer an der Erderwärmung zweifelt, sollte den aktuellen Bericht des Weltklimarats IPCC von 2013 zu den physikalischen Fakten lesen. Dort wird der Wandel eindrücklich dargestellt und mit zahlreichen Belegen untermauert. Klimamodelle zeigen deutlich, in welch irrwitziger Geschwindigkeit sich die Welt bis zum Jahr 2100 wohl noch wandeln wird.

Global sind diese Klimasimulationen über längere Zeiträume robust. Schwieriger wird die Prognose, je weiter man auf die Erde reinzoomt. Für große Landflächen können Klimatologen noch einigermaßen verlässliche Aussagen treffen. Problematischer wird es für kleinere Regionen sowie mit exakten Jahreszeitenprognosen über das Klima der Zukunft. Bis heute ist noch immer zu wenig über die natürlichen Schwankungen des Klimasystems bekannt.

Was bisher geschah

Was sicher ist: Von 1880 bis 2012 hat sich die Atmosphäre um durchschnittlich 0,85 Grad erwärmt. Damit ist es seit Beginn des Industriezeitalters um ein Grad wärmer auf der Erde geworden. Das klingt nach wenig, ist aber ziemlich viel, wie allein schon die Klimageschichte zeigt: Wer heute dreißig Jahre alt ist, lebt wahrscheinlich in der wärmsten Periode seit 1.400 Jahren. Zudem ist die Geschwindigkeit der Erwärmung einmalig. Während es nach Ende der letzten Eiszeit rund tausend Jahre dauerte, ehe sich die Luft um ein Grad erwärmte, vollzog sich die aktuelle Erwärmung in etwa hundert Jahren.

Was geschehen wird: weltweit wird es noch wärmer

Das Jahr 2014 hat weltweit die höchste Temperatur seit Aufzeichnungsbeginn erreicht. Und das aktuelle Jahr 2015 wird diesen Rekord global betrachtet sehr wahrscheinlich noch deutlich übertreffen. Deutschland allerdings wird sehr wahrscheinlich keinen Temperaturrekord aufstellen.

Joe Raedle/Getty Images
Klimawandel! Was heißt das?

Klimawandel! Was heißt das?

Die Erderwärmung bedroht die Welt, aber wie genau? Wir erklären Wetter, Klima und warum der Wandel so gefährlich ist.

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Ban Ki Moon, UN-Generalsekretär

Ban Ki Moon, UN-Generalsekretär

sagt, warum das ein Problem ist:

"Der Klimawandel ist eine Bedrohung für das Leben und unsere Existenz."

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Das Wetter

… ist der Zustand der Atmosphäre zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort.

Was ist Wetter, was Klima?

Das Klima

... ist das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum hinweg betrachtet, etwa 30 Jahre.

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Leider nein: Viele Schäden sind nicht mehr zu ändern. Die Erde erwärmt sich in jedem Fall. Auch die 2°C Erwärmung beeinträchtigen Ökosysteme auf der ganzen Welt stark und bedrohen damit auch die Lebensgrundlage von Millionen Menschen. Es lässt sich allein das Ausmaß der Katastrophe eingrenzen.

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Stimmt. Viele Forscher sind sicher, dass es einen Zusammenhang gibt. Europa soll aber nicht so stark betroffen sein wie andere Kontinente der Erde.

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Die Ozeane heizen sich stark auf

Die meiste Energie im Klimasystem haben allerdings die Ozeane geschluckt. Etwa neunzig Prozent der Wärme haben seit den siebziger Jahren die Weltmeere aufgenommen. Davon mehr als sechzig Prozent bis in eine Tiefe von 700 Metern unterhalb der Wasseroberfläche und dreißig Prozent in den Regionen darunter. Die oberen 75 Meter erwärmen sich derzeit um 0,11 Grad pro Jahrzehnt. Zudem sind die Weltmeere saurer geworden. Wegen der thermischen Ausbreitung des Wassers und der Schmelzwasser hat sich der Meeresspiegel seit Beginn des 20. Jahrhunderts um durchschnittlich zwanzig Zentimeter erhöht. Seit Ende der neunziger Jahre steigt der Meeresspiegel sogar um durchschnittlich 3,2 Zentimeter pro Jahrzehnt. Während der letzten Warmzeit, dem Eem, lag der Meeresspiegel allerdings noch fünf Meter höher, weil der grönländische Eisschild sehr stark abgeschmolzen war. Das Eem liegt allerdings auch rund 120.000 Jahre zurück.

Derzeit geht man im Mittel von etwa sechzig Zentimeter Erhöhung bis Ende des Jahrhunderts aus. Je nach Szenario erhöht er sich um 26 bis 96 Zentimeter. Düstere Prognosen sprechen von deutlich mehr als einem Meter Anstieg. Vor einem vollständigen Verlust des grönländischen Eisschildes sollte man sich fürchten: Allein das Abschmelzen dieses 3.000 Meter dicken Eispanzers würde den Meeresspiegel um schätzungsweise sieben Meter ansteigen lassen. Küstengebiete weltweit würden untergehen.

Das Verhalten der großen Eisschilde Grönlands und der Antarktis sind der Grund, weshalb Prognosen über den Anstieg des Meeresspiegels so schwierig sind. Sie tauen nicht gleichmäßig vor sich hin, sondern erreichen irgendwann einen sogenannten Kipppunkt, an dem der Verfall nicht mehr aufzuhalten ist. Eine Studie in Nature Climate Change kam vor dreieinhalb Jahren zu dem Ergebnis, dass dieser Kipppunkt bereits bei einer Erwärmung von 1,6 Grad eintrete (Collins et al., 2012).

Die Welt wird Ende des Jahrhunderts eine andere sein

Nord- und Südpol schwinden

Insgesamt haben die Gletscher (vor allem Gebirgsgletscher) auf der Erde seit den siebziger Jahren rund 226 Gigatonnen Eis verloren. Die Arktis verlor rund vier Prozent ihrer Eismasse pro Jahrzehnt, die Antarktis rund 1,5 Prozent. Die sommerliche Eisbedeckung in der Arktis hat derweil um bis zu 14 Prozent pro Jahrzehnt abgenommen. Vor drei Jahren erreichte die Arktisschmelze einen Rekordwert. Und auch die Schneebedeckung der Nordhemisphäre ist rückläufig mit minus 1,6 Prozent im März und minus 11,6 Prozent im Juni.

Doch nicht nur die Polkappen sind betroffen. Das Eis wird von vielen Regionen der Erde ganz verschwinden. Die meisten Gebirgsgletscher in den Alpen wird es Ende des Jahrhunderts nicht mehr geben.

Subtropen trocknen aus

Deutlich weniger Regen wird am Ende des Jahrhunderts in großen Teilen Mittelamerikas, im Südwesten der USA, in Chile und Argentinien, im Süden Afrikas, in Südaustralien fallen – und im gesamten Mittelmeerraum. Die sommertrockene Zeit dehnt sich weiter aus, Wasser wird ein knappes Gut. Die Landwirtschaft steuert auf große Probleme zu. Einige Regionen im Nahen Osten könnten im Sommer sogar so heiß werden, dass die Menschen es dort nicht mehr aushalten könnten, wie Forscher im Magazin Nature Climate Change vor einem Monat prophezeiten (Pal & Eltahir, 2015). Schon jetzt leiden Bewohner in manchen Wüstenemiraten an Vitamin-D-Mangel, weil sie sich häufig nur noch in geschlossenen Räumen aufhalten. Draußen ist es einfach zu heiß.

Tropen unter Wasser

Mehr Regen und damit erträglichere Temperaturen kommen hingegen auf die inneren Tropen zu. Das betrifft vor allem Peru und Kolumbien, Ostafrika und Südostasien. Ähnliches erwarten Wissenschaftler im Mittel auch in Indien. Allerdings gilt hier die Einschränkung: Grundsätzlich gehen die Klimaforscher davon aus, dass der Monsun unverlässlicher auftritt. Regenprognosen sind allerdings – wie beim klassischen Wetterbericht – deutlich schwieriger als Temperaturprognosen und sollten deshalb deutlich skeptischer betrachtet werden.

Demnach wird auch in den höheren Breiten künftig mehr Regen fallen. Das wundert nicht: Denn die polnahen Regionen werden sich sehr wahrscheinlich doppelt so schnell erwärmen wie die Regionen, die näher zu den Tropen liegen. Mehr Wärme bedeutet ein höheres Feuchteangebot. Der Unterschied zwischen höheren und niederen Breiten ist eines der großen Phänomene des Klimawandels. Auch die Hochgebirge merken die Erderwärmung stärker.

Und Deutschland?

Das Land wird Ende des Jahrhunderts ein anderes sein. Die Temperaturerhöhung könnte dazu führen, dass der Süden der Republik ein Klima haben wird, wie man es aus Nordspanien kennt. Die Wintermonate sollen deutlich wärmer werden, weswegen es auch mehr regnet. Dafür werden die Sommer heißer und trockener. Die Gluthitze von 2003 und 2015 war also schon ein Vorgeschmack auf die Sommer der Zukunft.

Grundsätzlich beobachten die Meteorologen schon jetzt, dass typische Westwetterlagen, die gemäßigtes Wetter bringen, über Mitteleuropa abnehmen. Die Luft strömt entweder aus dem Süden ein oder kommt direkt vom Pol. Das Wetter wird häufiger extrem, weil Wetterwechsel mit größeren Temperatursprüngen einhergehen. Kalte Winter wird es in achtzig Jahren immer noch geben. Nur viel seltener.

Klimawandel - Sechs Kontinente und ihre Klimaschäden Mehr Trockenheit, mehr Überschwemmungen, mehr Waldbrände: Welcher Kontinent muss eigentlich mit welchen Klimaschäden rechnen? Unser Video gibt den Überblick.