Dem Mittelmeer bei Genua droht nach einem Leck in einer Raffinerie-Pipeline eine schwere Ölverschmutzung. Die Hafenbehörde der Stadt an der Riviera rief am Samstag den Notstand aus. Im Fluss Polcevera errichteten Einsatzkräfte Barrieren. Heftiger Regen zerstörte allerdings die Sperre, die eine Ausbreitung des ausgeflossenen Öls verhindern sollte, wie die Stadt mitteilte.

Aus dem Leck in einer Pipeline der Raffinerie Iplom waren am vergangenen Sonntag große Mengen Öl in den Fluss Polcevera gelangt. Dabei floss Öl in zwei Kanäle und den Fluss und soll Strände nahe der Mündung des Stroms verseucht haben. Medienberichten zufolge trieben bereits mehrere Öllachen westlich von Genua im Mittelmeer. Bürgermeister Marco Doria sagte, wahrscheinlich handele es sich dabei um Öl, das bereits in den ersten Stunden des Unglücks ausgetreten sei. Von den 500 Tonnen des ausgeflossenen Öls sollen etwa zehn Prozent ins Meer gelangt sein.

Ein örtlicher Zivilschutzvertreter, Gianni Crivello, sprach von einer "komplizierten Lage", nachdem eine der fünf Barrieren am Polcevera gebrochen war. "Wir wissen nicht, wie viel Öl im Meer landen könnte." Genua liegt in der Nähe von mehreren Küstenschutzgebieten, darunter die Unesco-Weltkulturerbe-Region Cinque Terre.

In einer Stellungnahme des Infrastrukturministers Graziano Del Rio hieß es später: "Die Situation ist heikel aber unter Kontrolle. Sie arbeiten am Wiederaufbau der Sperren und errichten eine Schutzkette." Die Hafenbehörde teilte mit, dass beim Nachgeben der Barriere kein weiteres Öl ausgetreten sei, da die anderen Sperren noch dicht seien.

Die Raffinerie Iplom musste ihren Betrieb bis auf Weiteres einstellen und einigte sich mit den Gewerkschaften auf eine vorläufige Freistellung von 240 ihrer 252 Mitarbeiter. "Es ist ein schwieriger Augenblick für uns alle", hatte Firmenchef Giorgio Profumo bereits am Freitag eingeräumt.