Seit Montag leben rund 50.000 Bienen samt Königin im Hof des Paul-Löbe-Hauses gleich neben dem Reichstag. Sie sollen noch in diesem Sommer kiloweise Honig produzieren und dazu im Berliner Tiergarten und der Flaniermeile Unter den Linden auf Sammeltour gehen.  

"Wir wollen darauf hinweisen, dass die Zahl der Insekten in Deutschland massiv abnimmt", sagte die Grünen-Abgeordnete Bärbel Höhn, die gemeinsam mit ihrem SPD-Kollegen Martin Burkert hinter der Initiative steckt. Die Hauptursache dafür seien Pestizide und Monokulturen in der Landwirtschaft. Deswegen sammeln sie in der Stadt sogar besseren Honig als auf dem Land, sagt Benedikt Polaczek, der an der Freien Universität Berlin Bienenhaltung unterrichtet. Es wird weniger gespritzt und es gibt mehr Blütensorten. 90 Prozent aller Nahrungsmittel hingen an Bienen und der Bestäubung.

Das rot-grüne Gemeinschaftsprojekt hat auch ein pädagogisches Ziel. Die Politiker wollen deutlich machen, wie schwer Bienen und Insekten es in Deutschland haben, und wie wichtig sie für die Ernährung sind. Früher habe man regelmäßig tote Insekten von der Windschutzscheibe geputzt, sagte Höhn. 

Bald könnte der Bundestag sogar zwei Bienenvölker haben, denn die Abgeordneten hoffen, dass die alte Königin sich mit einem Teil des Volks eine neue Bleibe sucht. Vorsorglich steht schon ein zweiter Stock bereit. Fraglich ist, ob sich der Namensvorschlag "Umweltfreundlicher Verkehrsflughonig" des SPD-Abgeordneten Martin Burkert durchsetzt. 

Vergangenes Jahr gab es schon einmal einen Test mit 2.000 Bienen im Hof, der gut funktioniert hat. Insbesondere seien die Sorgen der Bundestagsmitarbeiter vor Stichen zerstreut worden, sagte Höhn. 

Die Liste der Ursachen für den Rückgang der Bienenvölker in den USA und Europa ist lang. Sie reicht vom "Imkersterben" in Ländern, in denen die Imkerei vor allem als Hobby betrieben wird, über Futtermangel in der industrialisierten Landwirtschaft und Parasiten bis hin zum Einsatz von Pestiziden im Pflanzenbau und im Bienenstock. Ungeklärt ist, inwieweit diese Faktoren zusammenwirken.