Die starken Regenfälle und sommerlichen Temperaturen der letzten Tage könnten zu einer Mückenplage führen. Forscher bitten deswegen um die Zusendung möglichst vieler Exemplare. "Wir sind dankbar für jede Mücke", sagte die Biologin Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf). Die Tiere werden für den Mückenatlas verwendet, mit dem Verbreitungsgebiete und neu eingeschleppte Arten kartiert werden.

Stechmücken übertragen Krankheiten wie das Dengue- oder Westnilfieber und den Zika-Virus, der derzeit vor allem in Südamerika ein Problem ist. "Zur Risikoabschätzung benötigen wir dringend Daten zur Verbreitung der in Deutschland vorkommenden invasiven und einheimischen Arten", sagte Walther.

Theoretisch könnten Mücken – egal welcher Art – auch in Deutschland Zika verbreiten. Dazu müssten allerdings sehr viel mehr Menschen das Virus aus dem Ausland einschleppen und andere anstecken. Als Nächstes müssten Zika-Infizierte hier vor Ort von Mückenweibchen gestochen werden, die den Erreger damit aufnehmen und mit ihrem Stich weitergeben würden. Ein Szenario, das hochspekulativ, im Falle einer Mückenplage aber laut Experten vorstellbar ist.

Die Forscher benötigen für ihre Arbeit intakte Exemplare, zerquetschte oder platt geschlagene Tiere sind unbrauchbar. Zum Abtöten gefangener Mücken wird empfohlen, sie für einen Tag ins Gefrierfach zu legen. Um zur Bestimmung wichtige Schuppen und Borsten an bestimmten Körperstellen zu erhalten, sollten die Tiere zudem nicht direkt in einen Briefumschlag gesteckt, sondern in eine kleine Schachtel, eine flache Dose oder ein Röhrchen gelegt werden. Mit in den Brief kommt ein Formular mit Fundangaben. Dem Fangspaß sind keine Grenzen gesetzt: "Insgesamt können Sie so viele Mücken fangen, wie es Ihrer Motivation und dem Mückenaufkommen entspricht", heißt es im Mückenatlas.

Asiatische Tigermücke hat überwintert

Für die Eiablage nutzen die Mücken ruhige Wasseroberflächen in der Natur, aber auch in Regentonnen oder anderen Behältern. Bei den derzeitigen Bedingungen benötigt die neue Mückengeneration nur rund zwei Wochen bis zum Schlupf, teilten die Forscher mit.

An der Kartierung der in Deutschland vorkommenden Mückenarten arbeitet das Zalf gemeinsam mit dem Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) in Greifswald seit 2012. In diesem Jahr haben Sammler laut Walther bisher rund 600 Mücken eingeschickt. Als besonders gefährlich gilt die Asiatische Tigermücke. Dank der Einsendungen für den Mückenatlas wurde sie bereits in Baden-Württemberg und Thüringen nachgewiesen.

Es sei davon auszugehen, das sie in Deutschland erfolgreich überwintert habe, sagte Helge Kampen, Leiter der Arbeitsgruppe Medizinische Entomologie am FLI. "Es wurden Eier im Frühjahr gefunden. Auch wurden erste Larven im Mai entdeckt." Das sei extrem früh. Das Insekt gelangt schon seit einigen Jahren vereinzelt mit Reisenden aus Südeuropa nach Deutschland, seine Eier sind jedoch nicht sehr kältetolerant. Von einer anderen Art, der Asiatischen Buschmücke, sind inzwischen vier etablierte Populationen in sechs Bundesländern bekannt. Insgesamt wurden in Deutschland seit 2007 vier invasive Arten nachgewiesen.