Heftige Gewitter, Starkregen, Sturzflut, Schlammlawinen: In Teilen Niederbayerns wurde am Mittwoch Katastrophenalarm ausgelöst. Mehrere Menschen in den Landkreisen Passau und Rottal-Inn werden vermisst. Sechs wurden bislang tot geborgen. Auch Nordrhein-Westfalen ist betroffen. Dort wurde im Kreis Wesel der Katastrophenfall ausgerufen. Die dort fließende Issel erreichte mancherorts Pegelstände von zwei Metern, 1,5 Meter höher als normal. In der historischen Altstadt von Xanten steht das Wasser.

Sind so heftige Unwetter normal?

Im Frühsommer heizt sich der Erdboden auf, warme Luft steigt auf. So eine Großwetterlage, in der feucht-warme und kühlere Luftmassen aufeinandertreffen, ist explosiv: Gewitterwolken bilden sich und es kann sehr stark regnen. Herrscht so eine Konstellation, sind in Deutschland sogar Tornados möglich.

Prinzipiell sei die Wetterlage nicht ungewöhnlich. "Besonders ist, dass sie so lange anhält", erklärt Extremwetterforscher Uwe Ulbrich von der Freien Universität Berlin. Seit Mitte Mai gab es immer wieder Unwetterwarnungen. "Das Tief Elvira kreist quasi stationär über Deutschland, auch wenn es mal mehr nach Westen, mal mehr nach Osten wandert." Und jetzt kommt Tief Friederike noch dazu.

Nehmen Stürme, Gewitter und Hochwasser zu?

Nach Zahlen von Versicherungsgesellschaften hat sich die Zahl verheerender Stürme, Regenfälle und anderer wetterbedingter Naturkatastrophen in Deutschland seit den 1970er Jahren mehr als verdreifacht, wenn man nicht nur Schwergewitterschäden (hier in der Grafik zu sehen) zählt, sondern auch Winterstürme und Flussüberschwemmungen. Das belegen Daten der Münchener Rückversicherung Munich Re. Die Versicherer rechnen damit, dass einzelne Stürme in Deutschland künftig stärker werden und es häufiger zu durch Starkregen verursachte Überschwemmungen kommt: so wie jetzt in Bayern und NRW.

Meteorologen messen Extremwetter etwas anders. "Es gibt Stationen, wo man eine Zunahme beobachtet, aber auch welche, die keine verzeichnen", sagt FU-Meteorologe Uwe Ulbrich. Das Problem: Messstationen seien verstreut und die Statistik somit nicht homogen. In Bayern habe es aber auffällige Häufungen gegeben: "Pfingsthochwasser ist ein Stichwort."

Ist das jetzt der Klimawandel?

Unbestritten: Es wird wärmer in Deutschland. Eine Datenauswertung von ZEIT ONLINE stellt die Hitzerekorde der letzten Jahre in Grafiken dar. "Es ist sicherlich kein Zufall, dass 2014 in Deutschland das bisher wärmste Jahr seit 1881 war", sagte der Meteorologe Florian Imbery, der für den Deutschen Wetterdienst das Klima überwacht, schon bevor die Zahlen für 2015 vorlagen. Und tatsächlich wurde der Rekord noch einmal eingestellt.

Weil Wissenschaftler von der globalen Erwärmung wissen, sind sie sicher: Auch der Temperaturanstieg in Deutschland hängt mit dem weltweiten Klimawandel zusammen. Beweisen lässt sich das aber noch nicht. Selbst wenn Forscher Wetterdaten aus mehr als einem Jahrhundert auswerten, ist das gemessen an der Klimaentwicklung der Erde nur ein Augenblick. Erst langfristig wird sich zeigen, ob die Wetterkapriolen von Dauer sind. Weil Gewitter, Überschwemmungen und Stürme immer regional begrenzt sind, lassen sie sich schwer mitteln. Sie in Klimamodelle einzurechnen, ist schwierig.

Was den derzeit entscheidenden Starkregen angeht, gibt es einige Klimamodelle, die eine Zunahme erwarten. Diese seien aber noch recht grob, sagt Meteorologe Ulbrich.