Diese Starkniederschläge seien es, die zu solch unkontrollierbaren Situationen führen wie derzeit in Bayern und NRW, sagt Wasserbauingenieur Franz Zunic von der TU München. Peter Rutschmann, Professor am selben Lehrstuhl, stimmt ihm zu. Die Ursache sind "lokale Regenzellen mit sehr hoher Niederschlagsintensität". Beim Abfließen türmt sich das Wasser extrem schnell auf. Entsprechend kurz sind die Vorwarnzeiten. "Deshalb ist Starkregen so gefährlich."

In Süddeutschland kam binnen Stunden eine Wassermenge herunter, die zehn Prozent des üblichen Niederschlags für ein ganzes Jahr entspricht. Und zwar für ganz Deutschland. So etwas könne man mit technischen Schutzmaßnahmen nie komplett abfangen, sagt Zunic. "Es sind Extremereignisse der Natur."

Hätte der Mensch anders bauen sollen?

Städtebau und Landnutzung seien diesmal nicht so entscheidend, meinen beide Wissenschaftler. Klar, durch die Versiegelung der Landschaft könne Wasser schlechter versickern. Aber dieser Effekt werde nach großen Hochwassern häufig überbetont, sagt Zunic. 

Bei Starkregen (35 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in sechs Stunden) ist nämlich auch schnell die Grenze dessen erreicht, was natürliche Böden an Wasser aufnehmen können. "Nach dem Vorregen ist es egal, ob eine Fläche asphaltiert ist oder nicht", sagt Rutschmann. Das Regenwasser fließt dann sowieso ohne zu versickern in die Gewässer und lässt sie ausufern. In Bayern gingen zuletzt mehr als 80 Liter Wasser pro Quadratmeter nieder, sagt der Berliner Extremwetter-Forscher Ulbrich.

Was hat das Hochwasserschutzgesetz gebracht?

"So extreme Niederschläge kann auch das Hochwasserschutzgesetz nicht verhindern", sagt Wasserbauingenieur Zunic. Generell würden Deiche, Schutzmauern und Flutmulden zwar etwas bringen. Doch sie sind auf Hochwasser von einem Ausmaß ausgelegt, wie es statistisch gesehen alle 100 Jahre vorkommt. Die Katastrophe in Niederbayern habe das überstiegen. Außerdem koste jede Schutzmaßnahme Millionen, die Umsetzung dauere Jahre. "Eine Generationenaufgabe", wie Rutschmann es nennt. Daher würden die wichtigsten Projekte zuerst angegangen. "Die Natur kümmert sich nicht um unsere Prioritätenliste", sagt Zunic. "Sie entfaltet ihre Kräfte nach ihrer eigenen Willkür."

Kann man nicht früher warnen?

Genau diese Willkür der Natur macht es Meteorologen so schwer, Extremwetter-Phänomene vorherzusagen. Wo genau Blitz und Donner sich entladen werden, wie viel Niederschlag fallen und wo es heftige Böen geben wird – all das wissen sie nicht genau. Dazu bilden sich Gewitter viel zu schnell. Und es sind sehr lokale Ereignisse: In einem Stadtteil kann der Blitz einschlagen, während es ein paar Kilometer weiter nicht einmal regnet.

Auch wenn Tiefs wie Elvira oder Friederike über einer Region festhängen, wabern sie dabei hin und her. Die Bewegungsvorhersage ist schwierig. Kleinste Änderungen in den Computermodellen der Meteorologen verändern die Prognosen dramatisch, erklärt der Berliner Forscher Ulbrich. Ein stabiles Sommerhoch ist da etwas ganz anderes, bestätigen Kollegen. Hätte man es damit zu tun, sei es vergleichsweise leicht zu sagen: Es bleibt noch eine Weile schön: Sonne, blauer Himmel.

Wie ist die Lage aktuell?

Der Deutsche Wetterdienst hat am Donnerstagabend vorerst alle Unwetterwarnungen für Deutschland aufgehoben.

Welche Wetteranbieter es gibt und woher Apps ihre Daten beziehen, erklärt diese Infobox: