Die Zahl der Savannenelefanten in Afrika ist stark zurückgegangen. 90 Wissenschaftler haben in 18 Ländern nur noch gut 350.000 Exemplare gezählt. Der nun veröffentlichten Studie mit dem Titel Great Elephant Census zufolge gab es 2014 30 Prozent weniger Savannenelefanten als 2007 (PeerJ: Chase et al., 2016). Seither sinke die Zahl pro Jahr um weitere acht Prozent. Die Forscher machen vor allem die Wilderei für die Entwicklung verantwortlich.

Zwei Jahre lang sind die Forscher für die Studie mit Flugzeugen über afrikanische Länder geflogen. Sie beobachteten, dass gut vier Fünftel der Elefanten in Reservaten leben. Doch auch in diesen Gebieten entdeckten sie viele Kadaver. Durchschnittlich stießen die Wissenschaftler auf zwölf Kadaver je 100 lebende Elefanten. Dabei gibt es regionale Unterschiede: In Angola, Mosambik und Tansania seien die Bestände stärker zurückgegangen als bislang bekannt, so die Forscher. In Teilen der Demokratischen Republik Kongo, Kameruns und Sambias seien die Savannenelefanten ausgerottet. Dagegen verzeichneten Südafrika, Uganda sowie Teile Kenias und Malawis stabile oder sogar steigende Zahlen.

Federführend bei der Untersuchung, die im Fachjournal PeerJ veröffentlicht wurde, waren die Ökologen Michael Chase und Curt Griffin. "Wenn wir den Afrikanischen Elefanten nicht retten können, welche Hoffnung haben wir dann, den Rest von Afrikas Wildtieren zu bewahren?", sagte Chase, der außerdem Gründer der NGO Elephants Without Borders ist.

Kenia verdient mit Elefantenschutz Geld im Tourismus

Am dichtesten mit Savannenelefanten besiedelt sind dem Zensus zufolge Simbabwe und Botswana. In Botswana zählten die Forscher mehr als 130.000 Elefanten, mehr als in jedem anderen afrikanischen Land. Die Jagd auf Elefanten ist dort verboten. Dafür hat das Land Probleme mit der großen Anzahl der Tiere, berichtet die BBC. "Wir beherbergen eine Menge geflüchteter Elefanten", zitiert der Sender einen für Naturschutzgebiete zuständigen Politiker des Landes. Er sagte demnach, die hohe Anzahl der Elefanten übe einen hohen Druck auf die Umwelt aus. Wassermangel sei ein großes Problem.

Am stärksten bedroht sind die Elefanten in ganz Afrika dennoch durch Wilderei. Der Handel mit Elfenbein ist zwar international verboten, innerhalb der meisten Länder ist er aber legal. Einige Länder versuchen daher, mit dem Schutz der Elefanten Geld zu verdienen. In Kenia sollen die Touristen helfen. "Staaten in Afrika entdecken, dass wildlebende Tiere lebendig mehr Wert bringen als tote, und dass sie helfen, Einkünfte zu erzielen, um Bildung, Gesundheitssysteme und Infrastruktur zu finanzieren", sagte der stellvertretende Chef des UN-Umweltprogamms Unep, Ibrahim Thiaw. Wilderei bezeichnete er als sinnlos, "auf moralischer, ökonomischer und politischer Ebene".

Auch Waldelefanten sind bedroht

Savannenelefanten gehören zur Gattung der Afrikanischen Elefanten, genau wie die seltener vorkommenden Waldelefanten. Auch sie leiden einer anderen im Journal of Applied Ecology veröffentlichten Studie der Wildlife Conservation Society (WCS) zufolge unter der Wilderei (Journal of Applied Ecology: Turkalo et al., 2016). Das wiegt besonders schwer, weil sich Waldelefanten extrem langsam fortpflanzen. Die Zahl der Elefanten hat sich demnach zwischen 2002 und 2013 um 65 Prozent dezimiert. Es werde ein Jahrhundert dauern, bis sich die Bestände erholt haben, sagte Andrea Turkalo, WCS-Forscher in der Zentralafrikanischen Republik.

Beide Studien werden auf der Weltnaturschutzkonferenz (IUCN) diskutiert werden, die am Donnerstag in Honululu beginnt. Die Versammlung will sich unter anderem für ein Binnenhandelsverbot mit Elfenbein einsetzen. Wilderei soll als Bedrohung der nationalen Sicherheit eingestuft werden, weil einige der Wilderer Verbindungen zu Terrorgruppen haben sollen.

Bevor Europäer auf den afrikanischen Kontinent kamen, lebten dort Schätzungen zufolge bis zu 20 Millionen Elefanten. 1979 waren es noch etwa 1,3 Millionen. Nach dem Inkrafttreten eines internationalen Handelsverbots für Elfenbein 1989 erholten sich die Bestände, doch seit 2005 dezimieren Wilderer sie erneut drastisch.