Millionen Vögel und Fische verenden jedes Jahr an Plastik, das im Meer umhertreibt. Selbst in zersetzter Form schadet der Kunststoff der Umwelt und der Gesundheit: In Form winziger Partikel, als Mikroplastik, hat er sich auf dem Globus und in den Meeren verteilt und landet über die Nahrungskette in unserem Essen. Forscher der Universität Oxford berichten jetzt, dass selbst Tiefseetiere die Plastikteilchen über die Nahrung aufnehmen (Scientific Reports: Taylor et al., 2016). 

Egal ob Seevögel, Meeresschildkröten, Pinguine, Robben oder Seeotter – fast 50 Prozent dieser Tiere nehmen Plastikmüll über die Nahrung auf. Forscher vermuten, dass es in 35 Jahren mehr Plastik in den Weltmeeren geben könnte, als Fische. Wird es zu viel, kann der Kunststoff den Verdauungstrakt blockieren oder die Magenschleimhaut schädigen, die Tiere verhungern dann. In diesem Zusammenhang gewinnt auch Mikroplastik an Bedeutung. Die kleinen Kunststoffteilchen werden selbst von Kleinstlebewesen wie Plankton aufgenommen: Das wird von kleinen Krebsen oder Fischen gefressen, die wiederum von größeren Räubern und verteilt sich so in den Körpern fast aller Meeresbewohner. Am Ende der Nahrungskette steht der Mensch, in dessen Essen das Plastik landet. Noch ist nicht vollständig geklärt, ob und wie die kleinen Plastikteilchen Meerestiere schädigen und wie gefährlich sie für Menschen sind. Die Studie macht zumindest klar: Ob gefährlich oder nicht – Mikroplastik ist überall.

Die Wissenschaftler untersuchten Sedimentproben aus Meerestiefen um die 300 bis 1.800 Meter. Hier fanden sie die ersten Hinweise auf die Kunststoffpartikel. Da viele Tiefseetiere auf dem Boden leben und sich teilweise von ihm ernähren, entschieden sich die Forscher, ins Innere der Tiere zu schauen. "Wir haben daraufhin die Mikrofasern in einer breiten Palette von Tieren gefunden, etwa in Korallen, Springkrebsen oder Seegurken", sagt Zoologin Michelle Taylor. Es ist das erste Mal, dass die Kunststoffteilchen gezielt in Tiefseetieren nachgewiesen wurden.

Die Mikroplastikteilchen sind so klein, dass sie mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind. Die Forscher fanden in den untersuchten Tieren vor allem Polyester, Nylon und Acryl. Ein großes Problem: Mikroplastik hat in etwa dieselbe Größe wie mariner Schnee, organische Materialien, die auf den Meeresboden sinken und viele Tiefseetiere ernähren.

Um die Teilchen zu analysieren, verwendeten die Forscher Verfahren, wie sie zum Beispiel in der Forensik eingesetzt werden. "Die Kriminologie ist immer noch eine relativ neue Wissenschaft. Es ist schön, dass wir die Techniken mittlerweile auch in anderen Wissenschaften einsetzen können", sagte Kriminologin Claire Gwinnett von der Staffordshire Universität, die auch an der Studie mitgearbeitet hat. "Wir wissen noch nicht sicher, was die Quelle des Mikroplastiks ist. Es könnte aus synthetischer Kleidung, Teppichreiniger oder Fischernetzen stammen", sagt Taylor. Woher die Stoffe stammen, müssen nun weitere Studien klären. Genauso wie die Frage, wie gefährlich das Plastik für Tiere und Menschen ist.

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