Schuppentiere sind derzeit die am häufigsten illegal gejagten und geschmuggelten Säugetiere der Welt. Sie könnten aussterben, noch bevor die meisten Menschen überhaupt von ihnen gehört haben. Eine Entscheidung der mehr als 180 Delegierten auf der Artenschutzkonferenz in Johannesburg soll dem nun entgegensteuern: Sie haben beschlossen, alle acht Schuppentierarten unter höchsten Schutz zu stellen und in Anhang I des Artenschutzabkommens Cites aufzunehmen. Damit wird der kommerzielle internationale Handel vollständig verboten.

Zwar gab es bislang schon Handelsbeschränkungen, dennoch haben Menschen in den vergangenen zehn Jahren schätzungsweise eine Million Pangoline – so heißen die Tiere auch – weltweit gewildert und illegal gehandelt. Das liegt auch an den vielerorts geringen Strafen für Wilderer. Damit das Verbot wirksam wird, "müssen die betroffenen Staaten zügig strengere Kontrollen und Strafen einführen", sagt Arnulf Köhncke, Artenschutzexperte der Umweltorganisation WWF Deutschland. Andere Naturschützer teilen diese Meinung. Entsprechende Gesetzesänderungen brauche es so schnell wie möglich.

So sind schon heute die Bestände aller in Asien heimischen Schuppentierarten so stark dezimiert, dass die Tiere verstärkt aus Afrika eingeschmuggelt werden. Nachfrage besteht vor allem in China und Vietnam, wo das Fleisch als Delikatesse gilt und die Schuppen in der traditionellen Medizin eingesetzt werden. Den Schuppen wird zu Unrecht eine potenzsteigernde und heilende Wirkung nachgesagt.

2.000 Euro bringt ein Affenjungtier, damit soll Schluss sein

Das Schuppentier war nicht alleiniges Thema während der Verhandlungen am Mittwoch. Die Delegierten stuften auch den Berberaffen von Anhang II in Anhang I hoch – die Entscheidung sei im Konsens getroffen worden, wie die Tierschutzorganisation Pro Wildlife mitteilt. Das klare Zeichen sei bedeutsam, wenn auch überfällig. "Das ist ein entscheidender Schritt, um einen weiteren Rückgang der Berberaffenpopulation zu verhindern", sagt auch Rikkert Reijnen vom Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW).

Berberaffen sind durch die Zerstörung ihrer Lebensräume bedroht, und weil sie beliebte Haustiere sind. Laut Pro Wildlife fangen Wilderer jährlich etwa 200 Jungtiere, um sie vor allem nach Europa zu verkaufen. Bis zu 2.000 Euro wird für ein Affenjunges gezahlt.

Der Berberaffe ist das einzige Familienmitglied der Gattung Macaca, das in Afrika vorkommt, und der einzige nicht menschliche Primat Europas. Am Felsen von Gibraltar, an der südlichen Spitze Europas, gibt es laut IFAW noch eine kleine, halbwilde Population, etwa 200 Tiere. Zudem leben zwischen 6.500 und 9.100 Berberaffen in stark zerstückelten Lebensräumen in Marokko und Algerien.

Auf der Artenschutzkonferenz wird noch bis zum 5. Oktober über 175 Anträge zum Schutzstatus diverser bedrohter Tier- und Pflanzenarten verhandelt. Zwei weitere große Themen sind der Elfenbein- und Nashornhandel.

© Cameron Spencer/Getty Images
Wildtiere im Schlussverkauf

Wildtiere im Schlussverkauf

Löwenknochen sollen potenter machen, Elefanten liefern Elfenbein. Acht Tiere (und drei Pflanzen), die das Cites-Abkommen schützen soll.

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Handel mit wilden Arten

Wie viel lässt sich jährlich verdienen?

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Korrekt. Umweltschutzorganisationen schätzen, dass Händler mit dem Verkauf von Wildtieren und -pflanzen jährlich weltweit etwa 323 Milliarden Dollar umsetzen.

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17. Artenschutzkonferenz

Entscheidung über Leben und Tod

Solange wild lebende Wesen nicht durch das Cites-Abkommen geschützt sind, dürfen sie international gehandelt werden. Ab dem 24. September wird daher über neue Verbote verhandelt, 175 Anträge insgesamt. Im Fokus: Elefanten, Nashörner und Löwen.

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Luxusprodukte

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100 Elefanten pro Tag haben Wilderer in Afrika in den letzten Jahren getötet. Obwohl die Jagd verboten ist. Sie wollen Elfenbein, ein Stoßzahn bringt bis zu 10.000 US-Dollar. Auf der Welt-Artenschutzkonferenz wurde nun beschlossen, Elfenbeinmärkte zu schließen, die zu illegalem Handel oder Wilderei beitragen, zu schließen. Außerdem soll es Richtlinien gegen unerlaubten Handel geben.

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Affenbrotbäume, auch Baobab genannt, können mehrere 1.000 Jahre alt werden. Ihr Holz kann den Baum vor Feuer schützen und Wasser speichern. Baobabs sind daher für Menschen und Tiere in Trockengebieten sehr wichtig. Geht es nach Madagaskar, ist künftig nur noch ein kontrollierter Handel mit ihnen erlaubt.

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