Tote Reiherenten, verendete Blässhühner, Schwäne, Gänse und Möwen: Seit dem Wochenende sind mehr als 250 Vogelkadaver am Großen Plöner See und angrenzenden Seen in Schleswig-Holstein sowie am Bodensee in Baden-Württemberg entdeckt worden. Inzwischen steht fest: Sie alle waren mit dem aggressiven Vogelgrippevirus A vom Subtyp H5N8 infiziert. Das hat das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems bestätigt.

Weil dieser für Nutzgeflügel tödliche Erreger zuletzt auch im Blut von Wildvögeln in Polen, Ungarn, der Schweiz und Österreich entdeckt wurde, schätzen die Wissenschaftler vom FLI das Ansteckungsrisiko für Hühner, Gänse, Puten oder Enten aus Tierbetrieben als hoch ein.

Stallpflicht für Geflügel in Schleswig-Holstein

Bei dem für Menschen bislang ungefährlichen Erreger handelt es sich um eine Virusvariante, die Geflügel stark krank macht – also hoch pathogen ist, wie Forscher sagen. Nutzgeflügel kann sich mit dieser Form der Vogelgrippe leicht anstecken. Verbreitet wird die Seuche durch Zugvögel.

"Das akute Krankheitsgeschehen bei den Wildvögeln ist in dieser massiven Ausprägung besorgniserregend", sagte Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Dienstag. Er ordnete eine sofortige Stallpflicht für Geflügel in seinem Bundesland an. Im Kreis Plön richtet das Veterinäramt einen Sperrbezirk von mindestens drei Kilometern und ein Beobachtungsgebiet von mindestens weiteren sieben Kilometern um die Fundstellen der toten Wildvögel ein.

Etwa 500 Kilometer von Plön entfernt, bei Stettin an der deutsch-polnischen Grenze, war dieser Subtyp der Vogelgrippe ebenfalls kürzlich ausgebrochen. Das polnische Veterinäramt hält einen Zusammenhang zu den jüngst entdeckten Fällen in Deutschland für möglich.

Ausbreitung über Zugvögel

Dass sich Vogelgrippeviren durch Zugvögel verbreiten, ist bekannt. Die verschiedenen Stämme sind unterschiedlich stark ansteckend beziehungsweise aggressiv für die Tiere. Nur bei hochpathogenen Subtypen sprechen Experten von Geflügelpest.

Besagter Virusstamm war Anfang 2014 in Südkorea aufgetaucht und hatte sich 2014 und 2015 über die Welt verbreitet (Peerj: Andrew/Iqbal, 2005). Nach Ansicht von Wissenschaftlern verbreitete er sich vor allem durch Zugvögel, die infiziert, aber nicht erkrankt waren und Langstreckenrouten geflogen sind. Verschiedene Vogelarten reagieren nämlich unterschiedlich auf ein- und denselben Erreger. So schaffte es H5N8 von Asien über die Brutstätten der Zugvögel in der Arktis bis nach Nordamerika und Europa (Science: Global Consortium for H5N8 and Related Influenza Viruses, 2016). Schon als der Erreger 2016 Russland erreicht hatte, rechneten Forscher damit, dass er sich über Osteuropa bis zu uns ausbreiten würde, berichtet auch das deutsche Science Media Center.

Dieser Erreger taucht aber nicht zum ersten Mal in Deutschland auf. Es ist nur das erste Mal, dass er in Wildvögeln hierzulande entdeckt wurde. Das bestätigte eine FLI-Sprecherin gegenüber ZEIT ONLINE.