Lange Zeit galten alle Giraffen der Erde als eine Art, unterteilt in Unterarten. Kürzlich aber ergaben genetische Analysen, dass es sich eigentlich um vier eigene Arten handelt: Die Südgiraffe (Giraffa giraffa), die Massaigiraffe (G. tippelskirchi), die Netzgiraffe (G. reticualata) und die Nordgiraffe (G. camelopardalis) gelten seitdem als eigene Spezies. Alle vier werden fortan auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als gefährdet eingestuft.

Die Neueinstufung geht bis auf weiteres noch von einer einzigen Giraffenart aus. Wie gefährdet die einzelnen Populationen nach Berücksichtigung der neuen Systematik wären, müsse noch genau ausgearbeitet werden, heißt es in der Erläuterung zur Roten Liste.

In den vergangenen 30 Jahren sei die Population der Tiere in den afrikanischen Savannen um knapp 40 Prozent gesunken, gab die IUCN in der Nacht zu Donnerstag bekannt. Der Bestand wird derzeit auf etwas über 100.000 geschätzt.

Giraffen sind die größten Landwirbeltiere der Erde. Dass einzelne der bisherigen Unterarten regional bedroht sind, war Wissenschaftlern schon vorher bewusst: Hauptgründe dafür seien die Wilderei und der Verlust von Lebensräumen.

Nur wenige Giraffen-Junge werden groß

Betrachtet man künftig die vier separaten Spezies, fällt die Beurteilung womöglich noch dramatischer aus: "Von der Nordgiraffe gibt es nur noch 4.500 Tiere", sagte der Zoologe Axel Janke ZEIT ONLINE kürzlich. Damit müsse sie sogar als stark gefährdet gelten. Janke hatte die Studie geleitet, die zur neuen Systematik der Giraffen geführt hatte.

Als Säugetiere bringen Giraffen ihren Nachwuchs – meist ein Junges – lebend zur Welt. 15 Monate dauert eine Giraffenschwangerschaft. Das Muttertier gebiert ihr Junges im Stehen. Schnell nach der Geburt muss das Jungtier aufstehen, um mit der Herde mitziehen zu können. Anders als die ausgewachsenen Tiere, für die nur Löwen eine echte Bedrohung darstellen, können kleine oder geschwächte Giraffen von Hyänen, Leoparden oder Wildhunden gerissen werden. Zoologen schätzen, dass zwei Drittel aller Neugeborenen das Erwachsenenalter nicht erreichen. Entsprechend langsam können Giraffen einen Rückgang ihrer Population wieder ausgleichen.

ZEIT ONLINE widmet den bedrohten Arten eine Serie. Alle Texte daraus lesen Sie hier.

Kaum entdeckt, schon bedroht

Auf der nun auf der UN-Artenschutzkonferenz im mexikanischen Cancún vorgestellten aktualisierten Roten Liste stehen auch eine Reihe von Spezies, die der Mensch erst seit Kurzem kennt. So seien elf Prozent der rund 740 in jüngster Zeit entdeckten Vogelarten bereits vom Aussterben bedroht. 13 seien bereits ausgestorben. Wie sie würden viele Arten weltweit schon verschwinden, bevor man sie überhaupt näher beschreiben könnte, sagte IUCN-Chefin Inger Andersen.

Während die meisten dieser bedrohten Vögel der Öffentlichkeit kaum bekannt seien, gäbe es Arten – wie den Afrikanischen Graupapagei (Psittacus erithacus) – die als Haustiere beliebt seien, illegal gejagt und geschmuggelt würden. Diese Papageienart hatte erst kürzlich auf der Artenschutzkonferenz in Johannesburg den höchsten Schutz nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (Cites) erhalten (ZEIT ONLINE berichtete). Der internationale Handel mit diesen Tieren ist seither verboten.