Im vergangenen Jahr lag die weltweite Durchschnittstemperatur etwa 1,1 Grad über der vorindustriellen Zeit, teilte die Weltwetterorganisation WMO mit. Damit ist nach 2014 und 2015 das dritte Mal in Folge ein neuer Rekord erreicht worden. So warm wie 2016 war es auf der Welt seit Beginn der Aufzeichnungen 1880 noch nie.

Die Temperaturen lagen auch weit höher als die im Zeitraum 1900 bis 2000. Nach Angaben der US-Klimabehörde NOAA und der Raumfahrtbehörde Nasa lagen die Durchschnittstemperaturen über Land- und Ozeanflächen um 0,94 Grad Celsius über dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts.

Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid sagte zu den neuen Daten: "Niemand, auch nicht der neue US-Präsident, kann die Konsequenz aus diesen Zahlen leugnen. Wir brauchen einen raschen und politisch gesteuerten Kohleausstieg bis spätestens 2030."

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, warnte vor einer sich beschleunigenden Erwärmung: "Momentan sind wir schon nahe an der 1,5-Grad-Linie." Nach dem Pariser Klimaabkommen soll die Erderwärmung auf zwei Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad begrenzt werden. Ein halbes Grad könne bereits einen großen Unterschied machen und bedeutende Kipp-Prozesse in Gang setzen, etwa den Verlust der Korallenriffe, so Schellnhuber.

Bei zwei Grad Erwärmung könnte auch der Kipp-Punkt für das Grönlandeis bereits erreicht sein und ein über Tausende Jahre anhaltendes Schmelzen anstoßen. "Jüngste Studien haben gezeigt, dass auch der Golfstrom, der Wärme nach Europa bringt, empfindlicher sein könnte als gedacht", sagte Schellnhuber. In 20 bis 30 Jahren könnte das arktische Meereis im Sommer völlig verschwunden sein – mit vielleicht unumkehrbaren Folgen nicht nur für Eisbären und Fische.

Für Deutschland war 2016 nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit einer Mitteltemperatur von 9,5 Grad Celsius wieder ein sehr warmes Jahr, jedoch nicht das wärmste. Die gleiche Mitteltemperatur wurde auch in den Jahren 1934, 1989, 1990, 1999, 2006 und 2008 erreicht, die nun zusammen die Plätze acht bis 14 bei den Wärme-Jahren belegen, sagte DWD-Sprecher Gerhard Lux. Die wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1880 waren in Deutschland 2014 und 2015. Acht der zehn wärmsten Jahre gab es seit Beginn des 21. Jahrhunderts.