Die Menschheit existiert, weil es ordentlich geknallt hat. Und zwar mehrfach: In den Geburtsstunden des Sonnensystems erwuchsen aus Staubteilchen erst kleine Brocken und schließlich große Asteroiden. Die massigen Körper krachten immer wieder zusammen und verschmolzen zu etwas Neuem. Letztlich blieben nur wenige planetare Abrissbirnen übrig, die konsequent ihre Bahn um die Sonne freiräumten: Eine davon war die Erde vor rund 4,5 Milliarden Jahren.
Diese Theorie zur Erdentstehung ist wissenschaftlicher Konsens. Nur beantwortet sie längst nicht alle Fragen, etwa: Woher stammt das Wasser auf dem blauen Planeten? Denn worin Forscher ebenfalls übereinstimmen: Als die Erde sich formte, war es viel zu heiß für das Molekül. Theorien über seine Herkunft gibt es einige.
Gleich zwei aktuelle Nature-Studien stützen nun eine der neusten Theorien, laut der Jupiter eine entscheidende Rolle spielt (Fischer-Gödde & Kleine, 2017 / Dauphas, 2017). Wasser und andere flüchtige Stoffe sind demnach nicht, wie bislang vermutet, erst spät durch Kometen und Asteroiden zur Erde gebracht worden, sondern bereits in der ersten Phase der Planetenentstehung.
Am Anfang war die Hitze
Als das kosmische Bombardement stattfand, herrschten im inneren Sonnensystem Temperaturen, bei denen Wasser nur gasförmig vorkam. Dieses Gas aber konnten die jungen, unfertigen Planeten nicht anziehen. Stattdessen blies der starke Sonnenwind es hinfort in die Tiefen des Weltraums. Erst später soll die lebenswichtige chemische Verbindung H2O wieder aus dem äußeren, kalten Sonnensystem zurückgekommen sein. Nur wann? Und wie?
Das Material hat eine besondere Eigenschaft. Es ist eisenliebend, siderophil, wie Forscher sagen, und deshalb in der Anfangszeit des Planeten größtenteils zum eisenhaltigen Erdkern gesunken. Doch noch heute findet sich Ruthenium in Schichten der Erdkruste und des Erdmantels. Perfekt für Fischer-Gödde und Kleine, denn es weiß damit, aus der jüngeren Erdgeschichte zu erzählen.
Jupiter auf Wanderschaft
Irdisches Ruthenium hat eine spezielle Zusammensetzung. Es besteht aus Atomen mit einer unterschiedlichen Neutronenzahl, Isotopen, und besitzt damit eine Art chemischen Fingerabdruck, den das Team mit dem Ruthenium in jungen Meteoriten vergleichen konnte.
Je nach Herkunft der Meteoriten, die Überbleibsel des jungen Sonnensystems sind, ist auch ihr Ruthenium anders zusammengesetzt: Wasserhaltige Kometen aus dem äußeren Sonnensystem haben einen anderen Fingerabdruck als trockene Meteoriten aus dem inneren Sonnensystem. Die Herkunft des Erdmantels aus dem letzten Abschnitt der Erdentstehung kann damit klar bestimmt werden.
Die Ergebnisse von Fischer-Gödde und Kleine zeigen: Der Erdmantel stammt von Meteoriten aus der Familie der Enstatit-Chondriten. Wasserreiche Objekte aus dem äußeren Sonnensystem waren offenbar nicht eingeschlagen.
"Da wir ausschließen können, dass das Wasser mit den Meteoren auf die Erde gekommen ist, muss es eben vorher da gewesen sein", sagt Thorsten Kleine. Seine Untersuchungen stützen damit das erst vor wenigen Jahren postulierte Grand-Tack-Modell (PNAS: Batygin & Laughlin, 2015).
Demnach driftete der junge Jupiter zum inneren Sonnensystem; verantwortlich dafür war ein Effekt in der Gashülle des Planeten. Als
später der Saturn entstand, wurde er jedoch wieder nach außen, auf seine
heutige Bahn, gezogen. Während der Gasriese auf seinem Hinweg Gesteinsmaterial in die Sonne drängte, katapultierte
er auf seinem Rückweg hingegen Meteore und Wasser aus dem äußeren
Sonnensystem Richtung Erde. "Damit wären zu einer bestimmten Zeit viele
wasserreiche Meteore zur Erde befördert
worden", sagt Kleine. Und zwar eher früher als später im Lauf der Erdgeschichte.
Klingt ziemlich wirr, die Geschichte. Zuerst war es zu heiß für Wasser auf der Erde und dann die Aussage "Da wir ausschließen können, dass das Wasser mit den Meteoren auf die Erde gekommen ist, muss es eben vorher da gewesen sein". Was den nun?
Kommentare
Damit ich richtig nachschlagen kann:
Sind Chondrite gemeint, aber versehentlich Chrondite geschrieben?
Guten Abend, ist korrigiert, danke.
In meinem Schnellkochtopf ist es auch zu heiß für Wasser.
Es ist aber trotzdem da, denn die Kartoffeln sind feucht und gar.
Das alles verdanke ich dem Jupiter. Ein schönes Gefühl!
Und Sie selber sind nichts anderes als Sternenstaub! Das ist so romantisch!
Enstatit-Chondrite!
Klingt ziemlich wirr, die Geschichte. Zuerst war es zu heiß für Wasser auf der Erde und dann die Aussage "Da wir ausschließen können, dass das Wasser mit den Meteoren auf die Erde gekommen ist, muss es eben vorher da gewesen sein". Was den nun?
Adam hat den Wasserhahn gefunden und aufgedreht.