Der Entschluss ist gefallen: Die USA wenden sich ab vom Paris-Abkommen. Ihre klimapolitischen Anstrengungen werden die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump nicht, wie bisher zugesagt, weiterverfolgen. Ganz klar – dies ist ein schwerer Rückschlag für den Klimaschutz. Doch es gibt Entwicklungen, die hoffen lassen: Erst kürzlich haben Europa und China verlauten lassen, sich zur Umsetzung des Klimaabkommens bekennen zu wollen. Auch Deutschland will direkt mit China enger im Klimaschutz zusammenarbeiten, wie gestern auf dem Regierungstreffen in Berlin verkündet wurde.


China und Indien werden ihre Klimaziele übererfüllen

Abzuschätzen, welchen Einfluss die Abkehr der USA vom Weltklimavertrag auf die globale Erwärmung und den zukünftigen Ausstoß von Treibhausgasen hat, ist schwierig. Eine erste Idee dazu gab kürzlich die einflussreiche und angesehene Initiative Climate Action Tracker mit einem interessanten Ergebnis, das Mitte Mai auf der kleinen Klimakonferenz in Bonn vorgestellt wurde: Auf Grundlage der Bewertung der Verpflichtungen und Maßnahmen einzelner Länder zur Minderung von Emissionen zeigte sich: Indien und China werden ihre gesetzten Klimaziele sogar übererfüllen.

Daniela Jacob ist Meteorologin und Direktorin des Climate Service Center Germany (GERICS) am Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Sie ist unter anderem Hauptautorin im 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC und hat eine Gastprofessur an der Fakultät für Nachhaltigkeit der Leuphana Universität Lüneburg. © Christian Schmid

Eine wesentliche Ursache dafür: Die Umstellung der Energieversorgung läuft in China und Indien längst. Der Trend zu weniger Kohleverbrennung hin zu mehr erneuerbaren Energien wird anhalten. Diese positiven Entwicklungen könnten die jetzt zu erwartenden Rückschritte in den USA abschwächen oder sogar (über-)kompensieren.

Schon heute ist vielerorts zu spüren, wie sich der Klimawandel auswirkt und Wetterextreme sich verändern, seien es Starkregenfälle, Überschwemmungen, Hitzewellen oder Dürren. Was eine globale Erwärmung um nur zwei Grad Celsius für Europa ausmachen kann, zeigt ein interaktiver Webatlas. Er wurde im Rahmen des von der EU finanzierten und am Climate Service Center koordinierten Projekts IMPACT2C entwickelt.

Dürren, Starkregen, Ernteverluste – all das trifft auch Europa

Deutlich zeigt sich daran: Das Klima in Europa wird sich regional sehr unterschiedlich ändern. Für Zentral- und Nordeuropa sind mehr Niederschläge und Verdunstung zu erwarten, während diese im Mittelmeerraum abnehmen. Das Überschwemmungsrisiko steigt in weiten Teilen Europas, während im Süden vermehrt Dürren auftreten werden.

In den Sommermonaten werden im Mittelmeerraum die Ernteerträge zurückgehen. Im hohen Norden können sie dagegen sogar steigen, wobei der Gesamtertrag dort immer noch gering sein wird. Und die Skiregionen müssen mit Einbußen rechnen. Dies sind nur einige Beispiele, wobei es bei einem deutlich stärkeren Temperaturanstieg als zwei Grad im globalen Mittel entsprechend schwieriger wird, mit den Folgen umzugehen.

Joe Raedle/Getty Images
Klimawandel! Was heißt das?

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Die Erderwärmung bedroht die Welt, aber wie genau? Wir erklären Wetter, Klima und warum der Wandel so gefährlich ist.

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Ban Ki Moon, UN-Generalsekretär

Ban Ki Moon, UN-Generalsekretär

sagt, warum das ein Problem ist:

"Der Klimawandel ist eine Bedrohung für das Leben und unsere Existenz."

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Das Wetter

… ist der Zustand der Atmosphäre zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort.

Was ist Wetter, was Klima?

Das Klima

... ist das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum hinweg betrachtet, etwa 30 Jahre.

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Leider nein: Viele Schäden sind nicht mehr zu ändern. Die Erde erwärmt sich in jedem Fall. Auch die 2°C Erwärmung beeinträchtigen Ökosysteme auf der ganzen Welt stark und bedrohen damit auch die Lebensgrundlage von Millionen Menschen. Es lässt sich allein das Ausmaß der Katastrophe eingrenzen.

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Stimmt. Viele Forscher sind sicher, dass es einen Zusammenhang gibt. Europa soll aber nicht so stark betroffen sein wie andere Kontinente der Erde.

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Auf all dies müssen sich die Menschen vorbereiten: in Europa, den USA und weltweit. Zu Recht stehen daher die Anpassung und ein umfassendes Risikomanagement im Fokus des Paris-Abkommens.

Unternehmen brauchen neue Konzepte und werden die Art, wo und wie sie Produkte herstellen, verarbeiten und verkaufen, umstellen und somit ihre Handelsketten anpassen. Transportwege, Binnenschifffahrt, Straßen- und Schienenverkehr – all das wird anders organisiert werden, um extremen Stürmen, Überflutungen, Niedrigwasser in Flüssen zu entgehen und gleichzeitig Emissionen zu reduzieren.

Wie Städte sich vor Hitze oder Überflutung schützen können oder wie sie die Menschen mit Energie und Wasser versorgen – all das sind Fragen, für die Forscher und Unternehmen längst Lösungsansätze erarbeiten.

In Europa ballt sich das Wissen

Sehr vieles davon geschieht bereits. Staaten, Regionen, Bundesländer, Städte, hinunter bis zu kleinen Kommunen sowie kleinere und große Firmen weltweit haben diese Herausforderung erkannt. Und sie wissen, dass für sie im Klimawandel nicht nur Risiken, sondern auch Chancen stecken. Auch amerikanische Staaten und Unternehmen haben schon in den Klimaschutz investiert und werden dies weiter tun.

Gemeinsam mit den asiatischen Vorreitern ist Europa jetzt besonders gefordert – gerade weil im europäischen Raum so viele Forscher zusammenarbeiten, es hier zahlreiche internationale Arbeitsgruppen gibt und jede Menge Daten und Ergebnisse gewonnen werden. In den europäischen Ländern ist das geballte Wissen vorhanden, das für eine Führungsrolle in der Klimaforschung, im Klimaschutz und in der Anpassung an den Klimawandel nötig ist.

Die Aufbruchstimmung aus dem Paris-Abkommen kann darüber hinaus eines der Elemente einer verstärkten europäischen Integration werden. Nicht zu vergessen die wirtschaftliche Komponente: Den Staaten, die sich auf den Klimawandel nicht vorbereiten, kann zunehmend volkswirtschaftlicher Schaden entstehen. Andersherum schaffen neue Technologien und Innovationen Wirtschaftskraft. Es gibt also viele Argumente, warum Europa eine Energiewende und Anpassung an den Klimawandel zu einem Teil seiner Zukunftsperspektive machen muss.

Bei aller berechtigten Euphorie über das Paris-Abkommen war auch vor Donald Trumps Abkehr davon klar: Wir stehen erst am Anfang eines langen und anspruchsvollen klimapolitischen Weges. Denn die bisherigen Zusagen der Staaten zum Klimaschutz sind nicht ausreichend, um die Zwei-Grad-Obergrenze einzuhalten. Mit ihrer Umsetzung wäre eine durchschnittliche Erwärmung von rund 2,8 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 zu erwarten. Und machten alle Staaten einfach nur weiter wie bisher, würden wir sehr wahrscheinlich bei einem Temperaturanstieg von 3,5 Grad und mehr landen. Auch nach der Entscheidung der USA, ihre Zusagen von Paris nicht einzuhalten, ist klar: Klimapolitisch muss noch kräftig nachgelegt werden. In allen Ländern. Der Geist von Paris jedenfalls lebt weiter.

Wie sich Deutschland erwärmt

Wärmste und kälteste Monate seit 1881 (bezogen auf die Durchschnittstemperatur). Die Mehrzahl der Wärmerekorde wurde in den letzten 15 Jahren gesetzt, Kälterekorde gab es seit 75 Jahren nicht mehr.