Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) erwartet, dass extreme Wetterereignisse wie etwa Sturzfluten in Deutschland zunehmen werden. Das sagte der Präsident des BBK, Christoph Unger. Es habe in bestimmten Regionen von Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen extreme Wetterereignisse gegeben, die man dort nicht erwartet hätte.

Unger fordert deshalb, die Warnsysteme für extreme Wetterereignisse auszubauen. Insbesondere Smartphone-Apps zur Katastrophenwarnung müssten weiterentwickelt werden, sagte der Katastrophenschützer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Das BBK bietet die App Nina zur Warnung vor Katastrophen an. "Aktuell müssen wir die Fortentwicklung über EU-Projektmittel finanzieren", sagte Unger. Das sei nicht zufriedenstellend. Über Nina können Warnungen des satellitengestützten modularen Warnsystems (Mowas) des BBK ausgespielt werden. Die App wird laut BBK von etwa 1,7 Millionen Nutzern verwendet.

Allerdings kooperieren die Bundesländer und deren Landkreise unterschiedlich stark mit Mowas. So verfügen etwa Hessen und Bayern über keine an das System angeschlossene Sendestationen, um vor lokalen Gefahrenlagen zu warnen. Für überregionale Gefahrenlagen haben aber alle Bundesländer Sendestellen, die an Mowas angeschlossen sind.

Katastrophenschutz ist Ländersache

Grund für die Unterschiede ist, dass der Katastrophenschutz seit dem Ende des Kalten Kriegs weitgehend Aufgabe der Länder ist. Länder, Landkreise und kreisfreie Städte entscheiden größtenteils eigenverantwortlich, wann und wie sie ihre Bürger vor und bei Katastrophen warnen. Der Bund alarmiert nur bei großen nationalen Gefahrenlagen, etwa im Kriegsfall.

Durch die Verbreitung von Smartphones werden Apps zur Warnung vor Katastrophen immer wichtiger. Die Verteilung der Verantwortlichkeit hat jedoch dazu geführt, dass mehrere Anwendungen entwickelt wurden, die abhängig vom Wohnort genutzt werden können. So wird die größte Warnapp, Katwarn mit 2,5 Millionen Nutzern, zwar von vereinzelten Bundesländern, Landkreisen und kreisfreien Städten genutzt. Wann und wie über die App gewarnt wird, entscheiden die dort Verantwortlichen jedoch selbst. Außerdem müssen sie für die Nutzung der App bezahlen – Katwarn kostet einmalig 15.000 Euro und jährlich 3.000 Euro für die technische Unterstützung.

Die App wurde beispielsweise während des Amoklaufs in München 2016 genutzt, kam dort jedoch an seine Belastungsgrenze und warnte erst nach 20 Uhr die Bürger – obwohl die Polizei bereits gegen 18 Uhr Schüsse im Münchner Einkaufszentrum OEZ gemeldet hatte. Katwarn teilte nach dem Amoklauf mit, seine Serverkapazitäten verdoppelt zu haben.

Immerhin: Laut BBK kooperieren die Entwickler der verschiedenen Apps untereinander. Sowohl Katwarn als auch die ebenfalls von einigen Städten genutzte App Biwapp binden die Warnungen des BBK ein.