Ende September wurde auch in Russland an mehreren Stellen ein erhöhter Wert von radioaktivem Ruthenium-106 festgestellt. Das erklärte nun der russische Wetterdienst Rosgidromet. Die höchste Konzentration sei in der Messstation Argajasch in der Nähe der kasachischen Grenze im Ural gemessen worden. Die festgestellte Konzentration habe dort das 986-Fache des erlaubten Werts betragen. Vor einigen Wochen hatten auch mehreren Messstationen in Europa einen leicht erhöhten Ruthenium-Wert in der Luft registriert.

Mittlerweile ist davon aber nichts mehr zu messen. Sowohl das französische Strahlenschutzinstitut IRSN als auch das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hatten bereits im Oktober erklärt, die Ruthenium-Werte gingen "mit hoher Wahrscheinlichkeit" auf einen Ursprungsort im südlichen Ural zurück. Die Messwerte in Deutschland lagen bei wenigen Mikrobecquerel pro Kubikmeter Luft. "Bei dieser geringen Menge an Radioaktivität besteht keine Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung", teilte das BfS schon vor Wochen mit.

"Selbst bei konstanter Einatmung über den Zeitraum von einer Woche ergibt sich eine Dosis, die niedriger ist als die, die durch die natürliche Umgebungsstrahlung in einer Stunde aufgenommen wird", hieß es auch in einer Mitteilung des Umweltministeriums Anfang Oktober. Die gemessene Dosis war 100.000-mal kleiner als jene, ab der Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung notwendig geworden wären.

Reaktorunglück ist ausgeschlossen

Einen Unfall in einem Atomkraftwerk konnten die Behörden als Ursache aber rasch ausschließen, da nur Ruthenium-106 nachgewiesen wurde. Wäre es zu einem Reaktorunglück gekommen, wären zahlreiche radioaktive Elemente registriert worden. Ruthenium-106 werde laut BfS unter anderem als Strahlenquelle für die Krebstherapie zur Behandlung von Tumoren am Auge eingesetzt. Allerdings kann es auch auftreten, wenn nukleare Brennelemente wiederaufbereitet werden.

30 Kilometer von der Messstation Argajasch, die laut Russland im September nun doch hohe Ruthenium-106-Werte aufzeigte, liegt das Atomkraftwerk Majak. 1957 ereignete sich dort ein sehr schwerer Atomunfall. Heute dient die Anlage zur Wiederaufbereitung abgebrannter nuklearer Brennstoffe. Möglicherweise stehen die zeitweise gemessenen Radioaktivitätswerte hiermit in Zusammenhang.

Der Wetterdienst Rosgidromet bestätigte, dass auch in Tatarstan, dann im Süden Russlands und ab dem 29. September in einigen europäischen Ländern Ruthenium-106 gemessen wurde. Die russische Atombehörde Rosatom hatte noch im Oktober versichert, dass im untersuchten Zeitraum keine Spuren des radioaktiven Elements festgestellt worden seien. Greenpeace forderte die Behörde nun auf, gründliche Untersuchungen vorzunehmen. Man werde von der Staatsanwaltschaft verlangen, "Ermittlungen über die mögliche Verschleierung eines Atomunfalls einzuleiten".