Indonesien - Forscher entdecken neue Orang-Utan-Art Die neue Spezies namens Tapanuli-Orang-Utan lebt im Norden der indonesischen Insel Sumatra. Mit rund 800 Tieren gilt sie nun als die seltenste Menschenaffenart der Welt. © Foto: Andrew Walmsley/Handout via Reuters

Forscher haben auf der indonesischen Insel Sumatra eine neue Art von Orang-Utans bestimmt. Dort lebt eine Gruppe von etwa 800 Menschenaffen isoliert im Batang-Toru-Wald, südlich des Tobasees im Norden der Insel. Nach jahrelanger Forschung kam das internationale Team aus Biologen, Medizinern und Experten weiterer Disziplinen zu dem Schluss, dass es sich um eine eigenständige Art handeln muss (Current Biology: Marques et al., 2017). Sie heißt nun Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis), benannt nach der Region, in der sie lebt. 

 "Man findet nicht jeden Tag eine neue Art von Menschenaffen. Diese Entdeckung ist sehr aufregend", sagte Michael Krützen von der Universität Zürich, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. Pongo tapanuliensis gilt jedoch wegen des geringen Bestands bereits als die gefährdetste Art großer Affen.

Die größte Bedrohung ist der Mensch. Mit Wilderei, illegalen Rohdungen, Straßenbau oder Wildtierhandel hat er die Zahl stark schrumpfen lassen. Ein in der Region geplanter Staudamm wird wohl den Lebensraum der Tiere noch stärker einschränken. "Würden nur acht von 800 Tieren pro Jahr getötet oder auf andere Weise von der Population entfernt, würde die Art aussterben", schreiben die Forscher. Aktivisten versuchen dagegen seit Jahren anzukämpfen, etwa indem sie verwaiste junge Orang-Utans in Auffangstationen unterbringen und versuchen, sie auszuwildern.

Bislang ging man davon aus, dass nur noch der Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii), der ebenfalls auf Sumatra lebt, und der Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus) auf der Nachbarinsel Borneo existieren. Zwar war schon bekannt, dass sich einige Orang-Utans auf Sumatra genetisch stark voneinander unterscheiden. Erst als die Forscher den Schädel eines vor Jahren im Kampf verstorbenen Tieres untersuchten, den Lebensraum der Affen großflächig beobachteten und ihr Erbgut analysierten, zeigte sich, dass es sich um eine eigene Art handelte.

Pongo tapanuliensis – ein direkter Nachkomme der ersten Orang-Utans?

Die Wissenschaftler betrachteten außerdem 37 Orang-Utan-Genome und fanden so heraus, dass sich die Tapanuli-Orang-Utans schon vor mehr als drei Millionen Jahren von ihren Verwandten auf Borneo getrennt hatten. Sumatra-Orang-Utans wurden hingegen erst vor weniger als 700.000 Jahren von der Borneo-Art getrennt. Seit etwa 10.000 bis 20.000 Jahren soll die neue Art vollständig isoliert leben. Sie scheine zudem ein direkter Nachkomme der ersten Orang-Utans zu sein, die vom asiatischen Festland auf die Inseln kamen, sagte der Forscher Alexander Nater von der Universität Zürich.

Die Affengattung gehört zu den nächsten Verwandten des Menschen, wörtlich lässt sich Orang-Utan mit Waldmensch übersetzen. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet reichte von China über Thailand und Vietnam bis nach Java. Dort leben bereits seit vielen tausend Jahren keine Orang-Utans mehr.