Arktisches Meereis ist stärker mit Mikroplastik belastet als bislang angenommen. Forscherinnen und Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven stellten mithilfe spezieller Untersuchungen eine Rekordkonzentration fest, wie aus einer im Fachmagazin Nature Communications veröffentlichten Studie hervorgeht (Peeken et al., 2018). So viel eingeschlossenes Mikroplastik pro Eismasse fanden Wissenschaftler noch nie in der Arktis.

Als Mikroplastik werden winzige Kunststoffpartikel bezeichnet, die wenige tausendstel Millimeter bis unter fünf Millimeter groß sind. Sie sind in Reinigungsmitteln wie Waschpulver, Shampoo oder Kosmetik enthalten. Vor allem aber entsteht Mikroplastik durch den Verfall größeren Plastikmülls, etwa wenn sich Plastiktüten oder -flaschen zersetzen.

Die Forschergruppe aus Bremerhaven wollte wissen, wie viel Mikroplastik in der Arktis existiert und woher der Müll kommt. Dazu untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Proben aus drei Expeditionen aus den Jahren 2014 und 2015. Mit Infrarotlicht beleuchteten sie die Mikropartikel und analysierten die von ihnen reflektierte Strahlung. Die anschließende Berechnung zeigte, dass in einem Liter Meereis teilweise mehr als 12.000 Mikroplastikteilchen steckten.

Mit der Methode ließen sich auch sehr kleine Teilchen aufspüren, schreiben die Forscher. Das sei ein wesentlicher Grund dafür, dass sie deutlich mehr Teilchen entdeckt hätten als es bei einer früheren Untersuchung der Fall war. AWI-Wissenschaftler Gunnar Gerdts sagte, dass zwei Drittel der untersuchten Kunststoffteilchen der kleinsten Kategorie mit einer Größe von unter 0,05 Millimeter zuzuordnen seien.

Die höchste Mikroplastikkonzentration fanden die Forscher in der zentralen Arktis. Dort könne ein "unmittelbarer Eintrag von Flüssen ausgeschlossen werden", sagte Biologin und Studienautorin Ilka Peeke. "Wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Partikel so weit transportiert werden."

Peeken geht davon aus, dass die gefundenen Plastikteilchen sowohl aus dem Atlantischen Ozean als auch aus dem Müllstrudel im Pazifischen Ozean zwischen Hawaii und Nordamerika stammen. "Proben von Eisschollen im Kanadischen Becken enthielten sehr viel Kunststoff, der für Plastiktüten verwendet wird, die gerade in Nordamerika sehr verbreitet sind", sagte sie.

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