Allerdings kommen offenbar nicht alle gefundenen Kunststoffpartikel aus Gebieten außerhalb der Arktis. In Eisproben aus den Meeren vor der nordrussischen Arktisküste entdeckte die Forschergruppe vor allem Lackpartikel von Schiffsanstrichen sowie Nylonreste, die von Fischernetzen stammen. "Sie deuten auf lokale Verschmutzungen in der Arktis hin", sagte Peeken.

Die Folgen der Plastikteilchen für Meerestiere und Menschen sind nur wenig untersucht. Die Wissenschaftler sind trotzdem besorgt. Viele kleine Partikel könnten problemlos von arktischen Kleinstlebewesen wie Wimpertierchen, aber auch Ruderfußkrebsen gefressen werden, sagte Peeken. Ihre Kollegin Melanie Bergmann fügte hinzu: "Wir wissen inzwischen aus vielen Laborstudien, dass zum Beispiel Muscheln Entzündungsreaktionen und Fische Verhaltensänderungen zeigen." Immer mehr Indizien belegten, dass nicht nur große Plastikteile für Meeresbewohner ein Problem sind, sondern auch solche, die mit bloßem Auge kaum sichtbar sind.

Plastik aus Deutschland

Der Studie zufolge ist wahrscheinlich, dass viele Plastikreste relativ schnell in Richtung Meeresboden absinken. Denn Algen und Bakterien würden die Partikel besiedeln, wodurch diese mehr Gewicht aufnehmen würden.

Mikroplastik gibt es nicht nur in der Arktis. In Deutschland kommen die Plastikpartikel nahezu flächendeckend an der Oberfläche von Fließgewässern vor, wie aus einer länderübergreifenden Studie hervorgeht, die im März veröffentlicht wurde (Heß et al., 2018). Eine andere Untersuchung von Forscherinnen und Forschern der Universität Manchester fand heraus, dass britische Flüsse deutlich stärker mit Mikroplastik belastet sind als erwartet (Nature Geoscience, Hurley et al. 2018).

Zum Teil strömt Plastikmüll Hunderte Kilometer durch Fließgewässer. In einem weiteren Projekt konnte das AWI in Bremerhaven die Bewegung verfolgen: Kreuzfahrer hatten in Spitzbergen, einem Archipel zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol, Müll an unbewohnten Stränden eingesammelt und einen Teil der Forschergruppe zur Verfügung gestellt. "Von dem Müll, von dem noch erkennbar war, woher er stammte, kamen sieben Prozent aus Deutschland", sagte Bergmann. "Das war doch erstaunlich."