Kompost und Dünger aus Biomüll – sie gelten als umweltfreundliche Alternativen zu Kunstdünger. Doch auch Biodünger kann große Mengen an Mikroplastik bergen. So fanden Forscherinnen und Forscher der Universität Bayreuth in Dünger aus Gärresten bis zu 900 Stücke Kunststoff pro Kilogramm. Die einzelnen Teile waren zwischen ein und fünf Millimeter groß. Wie Mikroplastik durch Biodünger in die Umwelt gelangt, beschreibt das Team um Christian Laforsch, Nicolas Weithmann und Ruth Freitag im Magazin Science Advances (Weithmann et al.,  2018).

In einer Anlage, die vor allem Grünschnitt und Bioabfälle aus Haushalten verarbeitet, fanden die Forscherinnen und Forscher 146 Stücke Mikroplastik pro Kilogramm unfertigen Düngers. In einer Biogasanlage, die hauptsächlich Abfälle aus Industrie und Handel annimmt, waren es sogar 895 Teile.

Nicht nur Unternehmen und Anlagenbetreiber trügen die Verantwortung, Kunststoffe aus Biomüll herauszuhalten, sondern auch die Verbraucher, schreibt das Team aus Wissenschaftlern. Denn auch in Abfällen aus privaten Haushalten fanden sie viel Polystyrol und Polyethylen – Materialien, die oft für Verpackungen von Lebensmitteln und anderen Waren verwendet werden. Oft sehe man den Partikeln an, dass sie von Tüten, Beuteln und anderen Behältern stammen, die durch falsche Entsorgung in Biotonnen gelandet seien.

Einige der Plastikreste, die sich im Biodünger fanden. © Laforsch/Science Advances/dpa

Der Ökologe Laforsch hat bereits häufig die Belastung von Seen und Flüssen mit Mikroplastik untersucht. Internationale Forscherteams hatten zuletzt gezeigt, dass Mikroplastik sogar bis in die Tiefsee hinein nachzuweisen ist (ZEIT ONLINE berichtete). Und längst ist bekannt, dass sich zwischen die Sandkörner der Strände überall auf der Erde feingemahlene Partikel aus Kunststoff gemischt haben, während auf den Ozeanen Müllteppiche aus größeren Plastikteilen treiben.

Mikroplastik an Land ist weniger erforscht

"Damit wir den Folgen dieser bedenklichen Entwicklung auf die Spur kommen und ihnen durch geeignete Maßnahmen begegnen können, müssen wir zunächst einmal wissen, auf welchen Wegen die Kunststoffpartikel in die Ökosysteme gelangen", betont er. Die Studie der Gruppe um Laforsch und Freitag ist nun eine der ersten, die Mikroplastik in trockenen Materialien nicht nur nachgewiesen, sondern auch gezählt hat.

Bisher konzentrierten sich Forscherinnen und Forscher auf Mikroplastik in den Ozeanen. Darauf gab es schon in den 1970er-Jahren Hinweise. Doch erst eine Studie des Ökologen Richard Thompson aus Plymouth habe 2004 zu einer "Explosion" wissenschaftlicher Untersuchungen geführt, schreibt Chelsea Rochman von der University of Toronto in einem Kommentar im Magazin Science (Rochman, 2018).

Thompson prägte auch den Begriff Mikroplastik mit, in Abgrenzung zu größeren Kunststoffteilen, die ebenfalls ein Problem sind. Dass sich Forscher nun auch der Problematik von Plastik in Süßwasser und Böden widmen, hält Rochman für sehr wichtig: "Geschätzte 80 Prozent der Mikroplastikverschmutzung im Ozean stammen vom Land." Erst 2013 sei über Mikroplastik in Süßwasserseen berichtet worden.

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Tüten mit Tücken

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Plastiktüten vermüllen Europa. Stoffbeutel oder Papiertaschen gelten als Alternativen. Doch wie ökologisch sind sie wirklich?

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Auslaufmodell kostenlose Tüte

Seit dem 1. Juli 2016 gibt es Plastiktüten kaum noch umsonst, um die Umwelt zu schonen. Mehr als 240 Unternehmen in Deutschland haben sich verpflichtet, Tüten nur gegen Gebühr abzugeben.

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Was ist das Problem?

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Plastiktüten werden aus Polyethylen hergestellt, der Rohstoff dafür ist Erdöl. Sie halten mehrere hundert Jahre lang. Das hat Folgen.

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Der Strand als Deponie

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Da sich Kunststoffe erst nach 500 Jahren zersetzen, wachsen überall Müllberge. Die Abbaustoffe belasten Böden und Gewässer.

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Sie müssen drei- bis viermal wiederverwendet werden, um ökologisch besser zu sein als Plastiktüten. Sie sind also nicht per se besser. Ihre Zellstofffasern werden chemisch behandelt. Die Tüten müssen dick sein, um nicht zu reißen, wozu man viel Holz braucht. Weil Papier schwerer ist als Plastik, werden beim Transport mehr Emissionen freigesetzt.

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Besser als Naturfasern: Schon nach dreimaligem Wiederverwenden haben Kunststofftaschen eine bessere Umweltbilanz als Einwegtüten aus Neugranulat. Meist bestehen sie aus recyceltem Material von PET-Flaschen.

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Etwas früher war bekannt, dass synthetische Fasern von Kleidungsstücken über Abwasser und Klärschlamm in die Umwelt gelangen.

Dass Kunststoff wasserabweisend, leicht und luftundurchlässig ist, hat ihn zu einem beliebten und weit verbreiteten Material gemacht. Und er ist vergleichsweise günstig herzustellen. So schützt er Lebensmittel vor Mikroorganismen, die sie verderben lassen. Doch solche Vorteile für den Menschen werden zu einer immer größeren Belastung für die Umwelt: Wenn Kunststoffe in Böden oder Gewässer gelangen, können sie in den wenigsten Fällen von Mikroorganismen abgebaut werden. Sie bleiben einfach erhalten. Und selbst wenn es aussieht, als würden sie sich auflösen, bleiben feine Partikel zurück.

Ozeane - Rettet die Meere! Ohne Meer kein Mensch. Wie wir die Zukunft der wichtigsten Ressource des Planeten gefährden