"Vertrauen stellt sich bei Fragen großer Bedeutung nur langsam ein", schrieb einst der römische Dichter Ovid. Besonders wer es schon mal verloren hat, muss es erst mühsam wieder gewinnen. Von jetzt auf gleich einfach "kräftigen" lässt sich Vertrauen jedenfalls nicht, so wie es die EU-Kommission heute mit ihrem Vorschlag für eine transparentere Risikobewertung versucht. Ohne Zweifel geht es aber um eine Frage von großer Bedeutung: nämlich die, ob Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat, gentechnisch veränderte Organismen oder Lebensmittelzusätze der menschlichen Gesundheit oder der Umwelt schaden können. 

Immerhin: Der Vizepräsident der Kommission, Frans Timmermans, und der Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis wollen die wissenschaftlichen Grundlagen ihrer Zulassungsgenehmigungen künftig stärker offenlegen. Auch wenn dabei vieles noch unzulänglich ist: Ihr Maßnahmenpaket enthält deutlich mehr als nur Beruhigungstropfen.   

Dass Brüssel überhaupt aktiv werden musste, ist zu allererst ein großer Erfolg für die Europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat. Mit mehr als einer Million Unterschriften hatten ihre Organisatoren dokumentiert: Verbraucherinnen und Umweltschützer misstrauen dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel. Nicht zuletzt deshalb, weil die Unbedenklichkeitserklärung dafür in hohem Maße auf geheimen Industriestudien beruht. Dokumente, deren Veröffentlichung erzwungen wurde, hatten überdies eine große Nähe zwischen den staatlichen Institutionen und den Antragstellern aus der Chemie- und Saatgutindustrie nahegelegt. Auch das Europäische Parlament hatte Andriukaitis deshalb aufgefordert, das Verfahren durchsichtiger und damit nachverfolgbar neu zu gestalten. 

Veröffentlichen, erfassen, kontrollieren

Der Gesundheitskommissar verspricht nun, dass künftig alle sicherheitsrelevanten Studien, die bei der zuständigen Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) eingereicht werden, "proaktiv und automatisch" veröffentlicht werden sollen. In einem frühen Stadium des Bewertungsprozesses sollen die Daten im Netz so leicht verfügbar sein, dass sich jede interessierte Bürgerin informieren kann.

Als zweiten Schritt plant die Kommission ein Register, das jede angemeldete Forschungsarbeit erfasst. Damit will sie unter anderem verhindern, dass Unternehmen Studien abbrechen oder zurückziehen, wenn ihnen das Ergebnis nicht passt.  

Drittens soll die Efsa zwar ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit bewahren, aber künftig durch Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedsstaaten in ihrer Geschäftsleitung stärker politisch kontrolliert werden.

So weit, so vertrauensbildend.