Die Verschmutzung mit Plastik ist zu einem globalen Umweltproblem geworden. Deshalb will die EU-Kommission am Montag einen Plan vorstellen, welche Einmalprodukte, wie zum Beispiel Strohhalme oder Besteck, verboten werden sollen. Im Kampf gegen Plastik positioniert sich das ostafrikanische Ruanda als Vorbild. Dort gibt es schon seit Jahren extrem strenge Gesetze. Wie viel das verändert, berichtet unsere Autorin.

Vedaste Mutabazi steht in seinem kleinen Laden in Gisenyi, einer Kleinstadt im Westen Ruandas. Die Regale sind bis unter die Decke gefüllt mit Haushaltswaren, Hygieneartikeln und Lebensmitteln. Abends ab sechs Uhr wird es voll. Wenn ihn dann einer seiner Kunden bittet, den Zucker in eine kleine Plastiktüte zu füllen, entschuldigt er sich: Nein, die Plastiktüten habe er nicht mehr. Seit letztem Jahr.

Denn vor rund einem Jahr kam ein Kontrolleur in seinen Laden. Vedaste war unterwegs, sein jüngerer Bruder hatte die Kasse übernommen. Der Kontrolleur gab sich als Kunde aus. Als Vedastes Bruder eine Plastiktüte unter der Theke hervorholte, zückte der Kontrolleur den Stift. Gesetzesbruch! Den Laden ließ er sofort schließen und verhängte außerdem eine Strafe: 100.000 Ruanda-Franc, rund 100 Euro. "Das ist viel Geld", sagt Vedaste. "Das kann ich nicht so einfach bezahlen." Zwar konnte Vedaste eine deutlich geringere Strafe heraushandeln, aber eines hatte er gelernt: Fortan muss es ohne Plastik gehen.

In Ruanda ist es seit 2008 verboten, Plastiktüten zu importieren, zu produzieren, zu verkaufen oder auch einfach nur zu besitzen. Und dieses Verbot setzt die Regierung rigoros durch. Neben Geldstrafen drohen bis zu zwölf Monate Gefängnis. "Jeder Ruander kennt heute dieses Verbot", erklärt Remy Norbert Duhuze von der ruandischen Umweltbehörde Rema stolz. "Plastiktüten sind aus dem Alltag Ruandas verschwunden."

Radio und Fernsehen verbreiten Umweltschutzparolen

Ganz anders sieht es weltweit aus: Seit seiner Erfindung hat Plastik jede Ritze unserer Erde erreicht. Es treibt in riesigen Müllteppichen auf unseren Meeren, ist bis in die Antarktis vorgedrungen und lässt sich in Form von kleinsten Mikroplastikteilen in unserem Essen und unserem Körper nachweisen. Aber während in Deutschland jeder Mensch im Durchschnitt 76 Plastiktüten pro Jahr verbraucht, lernen Kinder in Ruanda bereits in der Schule, dass es mehrere Hundert Jahre dauert, bis eine Plastiktüte verrottet. Radio- und Fernsehsender verbreiten Umweltschutzparolen und die Umweltbehörde Rema ruft dazu auf, gesetzwidriges Verhalten anzuzeigen. All das ist Teil der nationalen Strategie.

An jedem letzten Samstag des Monats, am Umuganda-Tag, sind alle Ruander dazu aufgerufen, im ganzen Land sauber zu machen und aufzuräumen. Selbst Präsident Paul Kagame macht in Gummistiefeln mit. Dann sind sämtliche Geschäfte geschlossen, damit es genügend Helfer gibt, um jeden noch so kleinen Fetzen Papier aufzusammeln, Straßen auszubessern oder Bäume zu pflanzen. Anschließend werden Probleme in der Nachbarschaftsgemeinschaft erörtert.

Tatsächlich sind nicht nur die Straßen in Ruandas Hauptstadt Kigali makellos sauber, sondern auch unbefestigte Wege und Hinterhöfe auf dem Land. Das verblüfft besonders Touristen, sind sie doch aus vielen Ländern Afrikas Müll am Straßenrand, in Wassergräben und selbst in den Zweigen der Bäume gewöhnt. "Das Plastiktütengesetz ist in Ruanda wirklich gut etabliert, und die Regierung zeigt großen Einsatz", sagt ein Regierungsberater, der anonym bleiben möchte.