Andere Länder sind Ruanda gefolgt. 2017 hat Kenia das schärfste Plastiktütengesetz der Welt verabschiedet. Bis zu vier Jahre Haft oder 40.000 US-Dollar Strafe können Plastiktütensündern dort drohen. Und auch Länder wie Uganda, Marokko, Eritrea oder Kongo haben Anti-Plastik-Gesetze erlassen – scheitern jedoch oft an der Umsetzung.

Ruanda setzt sein Plastiktütengesetz mit großer Konsequenz um – und mit großer Härte. Erst vor einigen Monaten mussten zum Beispiel mehrere Großbäckereien in Kigali hohe Strafen bezahlen, weil sie ihr Brot in Zellophanfolie eingewickelt hatten. Der Regierungsberater, der nicht namentlich erscheinen will, sieht deshalb die Regierung in der Verantwortung: "Sie sollte Industrie und Handel stärker unterstützen, um zum Beispiel finanzierbare Alternativen zu finden, damit Unternehmen nicht unter dem Plastiktütenbann leiden." Und Remy Norbert Duhuze von der Umweltbehörde Rema gibt zu: "Leider sind Alternativen oft mit höheren Kosten verbunden. Wir suchen noch nach Lösungen."

In der Tat kämpfen viele Klein- und Großhändler mit diesem Problem. "Ich habe einige Kunden verloren, seit ich keine Plastiktüten mehr anbiete", erzählt Vedaste, der Ladenbesitzer aus Gisenyi. Eine Verkäuferin auf dem nahe gelegenen Markt erzählt, sie bezahle für 200 kleine Plastiktüten umgerechnet 60 Cent, für 200 Papiertüten aber fast fünf Euro. "Und wenn ich meine Ware in Papiertüten stecke, ist nicht zu sehen, was drin ist", klagt sie. Auf dem Markt von Gisenyi entscheiden sich einige deshalb dafür, das Risiko einer Strafe einzugehen und ihre Waren trotz des Verbots in Plastiktüten einzupacken. Ingwer, rote Chilischoten oder Reis liegen in durchsichtigen Tüten auf den Holztischen. Und was, wenn ein Kontrolleur kommt? Dann verschwinden die Tüten blitzschnell unter den Verkaufstischen. Ihr Mund-zu-Mund-Alarmsystem funktioniert gut.

Die Umweltbehörde sucht nach Schmugglern

Die Tüten werden größtenteils aus der Demokratischen Republik Kongo nach Ruanda geschmuggelt. Die Grenze liegt keine zwei Kilometer vom Markt entfernt. Gisenyi und Goma sind zwei zusammengewachsene Städte, geteilt durch einen Grenzstreifen. Während auf der ruandischen Seite gepflegter grüner Rasen den Grenzübergang säumt, liegen zwei Meter hinter dem Zaun in Goma Plastikflaschen, Milchtüten und Verpackungen herum.

Über 40.000 Menschen passieren hier pro Tag die Grenze. Damit zählt der Übergang zu einem der am stärksten frequentierten der Welt. Große Eimer mit Avocados, Mangos und Auberginen gefüllt werden auf den Köpfen von Frauen von einem Land ins andere geschaukelt. Andere transportieren Matratzen oder mit Kohle gefüllte Säcke. Ein Treiben, in dem man leicht den Überblick verliert. Nur Egide Mberabagabo darf das nicht.

Bei Razzien haben wir oft große Mengen Plastiktüten konfisziert und Schmuggler ins Gefängnis gebracht.
Egide Mberabagabo, REMA-Mitarbeiter

Der Rema-Mitarbeiter ist hier seit 2010 stationiert und kämpft gegen die illegale Einfuhr. "Wir finden jeden Tag aufs Neue Plastiktüten. Die Menschen versuchen mit allen Mitteln, Plastiktüten ins Land zu bringen" sagt er. Vor ihm haben sich Frauen, die die Grenze passieren wollen, in drei Reihen aufgestellt und werden von Polizistinnen in blauer Uniform abgetastet. Die Beamten öffnen Reißverschlüsse und lassen Taschen entleeren. "Am häufigsten binden sie sich die Packungen mit Plastiktüten um ihre Hüfte oder verstecken sie in der Unterwäsche", erklärt eine Polizistin trocken, während sie routiniert den Stoff abklopft, mit dem eine junge Mutter ihr Baby auf den Rücken gebunden hat. Nichts gefunden, die Frau darf weitergehen. "Noch 2014 haben wir bei Razzien oft große Mengen Plastiktüten konfisziert und Schmuggler ins Gefängnis gebracht", erinnert sich Egide Mberabagabo. Wer heute mit ein paar Beuteln Plastiktüten erwischt wird, muss sie lediglich abgeben, wird ermahnt und darf weitergehen. Die Tüten landen erst in einem großen Eimer, dann in einem Container und werden anschließend nach Kigali in eine Recyclinganlage gebracht.

Müllberge bestehen nicht nur aus Plastik

Doch Plastiktüten machen am Ende nur einen kleinen Prozentsatz von Afrikas Müllbergen aus. Ein Verbot von Plastiktüten allein reicht nicht, um mit dem Müllproblem, das auch andere Länder haben, fertig zu werden. Weil die Bevölkerung rasant wächst, viele in die Städte drängen und die Wirtschaft stetig wächst, wird auch mehr Müll produziert. Während in Kigali 2012 noch 180 Tonnen Müll pro Tag eingesammelt wurden, waren es 2016 bereits über 500 Tonnen am Tag. Die Deponien sind bereits heute bis oben hin voll. Da ist es nicht verwunderlich, dass Umweltschützer kritisieren, dass sich afrikanische Länder mit einem Plastiktütenbann ein grünes Image verpassen, während andere wichtige Maßnahmen aus dem Blick geraten.

Auch Ruanda braucht in Zukunft strukturiertere und umfassendere Lösungen für die Müllentsorgung. Wie die aussehen könnten, soll ein Modellprojekt in der Hauptstadt zeigen. Die deutsche KfW-Entwicklungsbank unterstützt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung das Vorhaben Green City Kigali: Auf 620 Hektar Land wird ein neuer, grüner Stadtteil gebaut. Mehrstöckige Häuser sollen bezahlbaren Wohnraum für Menschen aus den unteren bis mittleren Einkommensklassen schaffen. Die klimafreundlichen Häuser werden aus nachhaltigen Materialien gebaut, Abfallentsorgung inklusive. "In der Zukunft soll die Idee auf andere Städte Ruandas übertragen werden und sogar als Vorzeigebeispiel für andere afrikanische Länder gelten", sagt Christof Griebenow, Projektmanager für die KfW in Ruanda.

Bis es so weit ist, will Ruandas Regierung die Plastikgesetze noch einmal verschärfen. Zehn Jahre nach dem Verbot für Plastiktüten ist sie kurz davor, ein neues Gesetz zu verabschieden. Tritt es in Kraft, werden in Ruanda auch Wasserflaschen aus Plastik, Strohhalme und Einweggeschirr verboten sein. Ruanda meint es ernst. Und wenn die Regierung hier etwas ernst meint, dann wird es mit strengen Regeln umgesetzt.