Fest steht: Die gesamte Antarktis ist anfälliger für den Klimawandel als lange gedacht. Und das hat Folgen für den Meeresspiegel.

Der Südliche Ozean nimmt mehr Wärme und Kohlendioxid auf als andere Ozeane und hilft so, die globale Erwärmung zu verlangsamen (Journal of Climate: Frölicher et al., 2015 & Nature Geoscience: Armour et al., 2016). Doch selbst die Kapazitäten eines so riesigen Gewässers wie dem Südpolarmeer sind begrenzt. Ab einem noch ungewissen Zeitpunkt wird es mit Kohlendioxid gesättigt sein und nicht mehr als Puffer dienen können.

Davon geht auch das Team um den Ozeanografen Steve Rintoul aus. Basierend auf dem bedeutsamen Faktor "Treibhausgas", allen voran Kohlendioxid, hat er zwei mögliche Szenarien für die Antarktis im Jahr 2070 erstellt, die abermals Nature begleitend zur IMBIE-Analyse veröffentlicht hat (Rintoul et al., 2018).

Spekulativ, um zu erschrecken

Variante 1 – "der Weg zum Kollaps": Die Menschheit jagt Treibhausgase weiterhin weitestgehend unkontrolliert in die Atmosphäre. Die Folge: Der Meeresspiegel würde bis 2070 um bis zu 27 Zentimeter steigen, die Lufttemperatur sich um 3 Grad Celsius erhöhen, der Ozean um rund 2 Grad, was eine Versauerung des Wassers zur Folge hätte. Außerdem gäbe es zehnmal so viele invasive Arten – etwa das Einjährige Rispengras (Poa annua) – in der Region wie bislang, was das Ökosystem in der Antarktis vollkommen durcheinanderbringen würde. 

Variante 2 – "mildere Umstände": Die Emissionen werden reguliert und reduziert – so wie vom Weltklimarat empfohlen und auf dem Klimagipfel vereinbart –, was die Veränderungen der Antarktis zwar nicht stoppt oder gar umkehrt, aber immerhin deutlich verringert. In diesem Fall würde der Beitrag der Antarktis im Jahr 2070 zum weltweiten Anstieg des Meeresspiegels sechs Zentimeter betragen, die Lufttemperatur hätte sich um 0,9 Grad Celsius erhöht. Das Ökosystem könnte weitgehend erhalten bleiben.

"Beide Szenarien sind selbstverständlich äußerst spekulativ", schreiben Rintoul und sein Team. Bewusst gegensätzlich angelegt, sollen sie vielmehr die Grundlage für eine Diskussion bieten, als eine Prognose darzustellen, heißt es in ihrem Artikel. Eines jedoch sei sicher: "Welche Geschichte am Ende geschrieben wird, hängt wesentlich von den Entscheidungen ab, die wir im Lauf dieses Jahrzehnts treffen."