Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) verklagt die Bundesrepublik Deutschland wegen der teils hohen Nitratbelastung im Grundwasser. Mit dem Schritt will der Verband nach eigenen Angaben das "Versagen der deutschen Politik" anprangern und einen besseren Schutz von Gewässern erstreiten.

Der EU-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter werde immer noch an knapp einem Drittel der Messstationen teilweise deutlich überschritten, teilte die Umwelthilfe in Berlin mit. Das verschärfte Düngerecht aus dem Jahr 2017 reiche nicht aus, um die Grenzwerte künftig einzuhalten. In der Europäischen Union habe nur Malta mehr Nitrat im Grundwasser.

EuGH: Verstoß gegen europäische Nitratrichtlinie

Die Umwelthilfe fordert daher eine Überarbeitung des Düngerechts. Es gebe "überhaupt keinen politischen Willen in dieser Bundesregierung, das Düngerecht noch mal anzufassen", beklagt die Organisation. Dafür zuständig ist das Bundeslandwirtschaftsministerium, das von Julia Klöckner (CDU) geführt wird.

Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hatte erst am 21. Juni geurteilt, dass Deutschland jahrelang nicht genug gegen die zu hohe Nitratbelastung in seinen Gewässern unternommen habe. Deutschland verstoße damit gegen die europäische Nitratrichtlinie. Klöckner verweist auf das neue, voriges Jahr beschlossene Düngerecht, das die Belastung reduzieren soll. Messwerte ab der Einführung der verschärften Düngeregeln liegen allerdings noch nicht vor.

Die Bundesregierung hatte in ihrem Nitratbericht 2016 eingeräumt, dass an 28 Prozent der Messstellen in Agrargebieten die EU-Grenzwerte im Grundwasser überschritten werden. Der nächste Bericht ist 2020 fällig.

Gut für Pflanzen, schädlich im menschlichen Körper

Die DUH reichte die Klage nach eigenen Angaben am 31. Mai beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg ein und lieferte nun eine ausführliche Begründung. Das Beispiel Luftreinhaltung zeige eindrucksvoll, dass die notwendigen Schritte nur gerichtlich erzwungen werden könnten, erklärte die Organisation. Damit spielt sie auf die Fahrverbote für mit Diesel betriebene Autos in deutschen Innenstädten an. Das Bundesverwaltungsgericht hatte Ende Februar einer Klage der Umwelthilfe entsprochen und entschieden, dass solche Verbote grundsätzlich zulässig sind.

Nitrat in Gewässern und Grundwasser stammt meist aus Gülle in der Landwirtschaft. Pflanzen brauchen Nitrat für ihr Wachstum, und der Stoff ist für den Menschen auch erst mal ungefährlich. Durch chemische Zerfallsprozesse können daraus aber gesundheitsgefährdende Nitrite entstehen. Auch Darmbakterien wandeln Nitrat in Nitrit um. Zu viel Nitrit im Körper wiederum kann Durchblutungsstörungen verursachen, bei Säuglingen kann es die Sauerstoffversorgung der Zellen schädigen. Zudem können unter Einwirkung der Magensäure aus Nitriten krebserregende Nitrosamine werden. Wegen der Risiken gibt es EU-Grenzwerte: Eine Konzentration von mehr als 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser gilt als bedenklich.

Im Trinkwasser werden die Grenzwerte bis auf wenige Einzelfälle eingehalten. Man kann es also bedenkenlos trinken. Anders ist es beim Grundwasser, dem wichtigsten Reservoir für Trinkwasser. Wenn es zu viel Nitrat enthält, muss es gefiltert oder verdünnt werden, oder die Brunnen müssen tiefer werden. Das ist teuer für die Wasserwerke – und letztlich für die Verbraucher, denn dann drohen höhere Wasserpreise. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft fordert daher auch, das Düngen einzuschränken.