Das Montreal-Protokoll gilt als Erfolg der internationalen Diplomatie. In dem 1987 verabschiedeten Abkommen einigten sich die Regierungen weltweit, den Einsatz der ozonschädlichen Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) zu verbieten. Seitdem erholt sich die lebenswichtige Ozonschicht wieder. Aber im Frühjahr stellten Forscher fest, dass die FCKW-Werte langsamer sinken, als sie sollten. Eine Untersuchung sieht nun Schaumstoffhersteller in China als Verursacher.

Dort soll das verbotene Trichlorfluormethan immer noch zum Aufschäumen von Kunststoffen eingesetzt werden, wie Ermittler der unabhängigen Umweltschutzorganisation Environmental Investigation Agency (EIA) in einem Report zusammengetragen haben. FCKW wurden bis zu dem Verbot vor allem als Kältemittel etwa in Kühlschränken, als Treibmittel in Spraydosen oder bei der Produktion von Schaumstoffen eingesetzt.

Laut dem Bericht kontaktierten Ermittler der EIA 21 Firmen in zehn chinesischen Provinzen. Vertreter von 18 der Firmen hätten im Gespräch bestätigt, Trichlorfluormethan bei der Herstellung von Bau- und Isolierschäumen zu verwenden. Grund dafür sei vor allem, dass der Stoff deutlich günstiger als Alternativen sei. Außerdem ermögliche er die Herstellung von höherwertigeren Schäumen. Die Gespräche machten laut EIA deutlich, dass es sich nicht um Einzelfälle handele, sondern um eine weitverbreitete Praxis in der Industrie. Zuvor hatten auch Journalisten der New York Times die Emissionen auf chinesische Fabriken zurückgeführt. Laut einem Bericht des Guardian werden die Befunde auch durch Dokumente der chinesischen Regierung unterstützt.

Verdächtig hohe Mengen an FCKW

Die FCKW-Belastung in der Atmosphäre ist zurückgegangen. Zuletzt (rote Linie) allerdings nicht so stark wie vorhergesagt (gestrichelte Linie).

Quelle: Nature: Montzka et al. 2018

Die Firmenvertreter gaben keine genaue Quelle an, sagten aber, Trichlorfluormethan stamme teils aus versteckten Produktionsanlagen in der Inneren Mongolei. Inspektionen der Regierung seien einfach zu umgehen.

Nach den Berechnungen der EIA ließe sich der Großteil der festgestellten Emissionen mit dem Einsatz in den untersuchten Fabriken erklären. Zusätzlich würden die Stoffe möglicherweise auch illegal über Ländergrenzen hinweg gehandelt. Die EIA rief die chinesische Regierung dazu auf, unverzüglich Ermittlungen aufzunehmen und die Vorgaben des Montreal-Protokolls durchzusetzen. Am 11. Juli trifft sich eine Arbeitsgruppe des Protokolls, um die weiteren Schritte auszuarbeiten.