Seit 1979 hat die Noaa mehr als 25.000 Bojen an verschiedenen Stellen ins Meer gesetzt. Kleine, schwimmende Messzentren, die ihre Position übermitteln und so zeigen, wie sich die Müllströme durch die Meere bewegen und wo sie sich weltweit zusammenrotten. Hier vermuten Wissenschaftlerinnen und Forscher den Großteil der rund 140 Millionen Tonnen Plastik, die bislang wohl im Meer gelandet sind (Plastikmüll im Meer, Geomar, 2018, PDF).

Einiges an Plastik wurde auf dem Weg zu den Strudeln aber schon verdaut. Meeressäuger und Seevögel verwechseln Plastik leicht mit Nahrung. Die Kunststoffreste machen nicht satt, aber einen vollen Magen. Viele Tiere verhungern. Und die Ecken und Kanten von Plastikteilen verletzen unter anderem den Magen und Darm von Seevögeln (Marine Ecology: Azzarello und Van Vleet, 1987). Schätzungen gehen davon aus, dass jedes Jahr um die 100.000 Meerestiere wie Wale oder Delfine und möglicherweise eine Million Seevögel an den Folgen von Plastik im Meer verenden. Genau weiß dies aber niemand. Die Zahl verletzter Lebewesen und jener, die sich in Plastik und Netzen verheddern, lässt zumindest darauf schließen (Untangeld – marine debris: Butterworth et al., 2012, PDF). 2015 verbreitete sich ein Video, das eine Schildkröte zeigte, die einen Strohhalm in ihrem Nasenloch hatte:

Wie aber mitunter unsichtbares Mikroplastik Lebewesen langfristig beeinflusst, ist unklar. Was man weiß: An den Kunststoffen lagern sich giftige Stoffe an – zusätzlich zu den Schadstoffen, die schon während ihrer Produktion entstehen können. Wie Schwämme saugen sich die Plastikteile im Meer mit Schadstoffen voll, unter anderem mit giftigen, krebserregenden Chlorverbindungen (PCB) (Marine Pollution Bulletin: Karapanagioti et al., 2011). Werden die Teile von Tieren verschluckt, geben sie die Schadstoffe wieder ab (Philosophical Transactions of the Royal Society B: Teuten et al., 2009). Die langfristigen Folgen der Plastik-Diät sind ungewiss.

Die Ozeane sind das größte Ökosystem der Erde. Was hier treibt, landet auch irgendwann wieder an Land. Der Mensch fischt im Meer und bekommt sein Plastik auch in winziger Partikelform über Fische und Meeresfrüchte zurück. Wie schädlich das ist, wissen Forscherinnen und Forscher noch nicht. Doch viel wichtiger vielleicht: Der Mensch braucht die Ozeane regelrecht zum Atmen. "Der größte Service, den uns das Meer leistet, ist der Sauerstoff, den es für uns bereitstellt", sagt die Forscherin Bergmann. Bis zu 70 Prozent seien das. Produziert wird er von Kleinstlebewesen wie Plankton, von Mikroben und Algen. Ein Grund mehr, pfleglicher und behutsamer mit diesem Ökosystem umzugehen. Und es vor Plastik und anderen Gefahren zu schützen.

Mit einem gigantischen Sieb nach Plastik fischen

Eine Aufgabe, die sich auch der 24-jährige Boyan Slat aus den Niederlanden vorgenommen hat. Als er 2011 im Griechenland-Urlaub tauchen war, soll ihm so viel Plastikmüll entgegen getrieben sein, dass er beschloss, etwas zu unternehmen. Ein Jahr später stellte er auf der Ideenkonferenz TEDx in seiner Heimatstadt Delft vor, was er sich überlegt hatte: Gigantische Wasserfilter sollen das Plastik in den Müllstrudeln abschöpfen. Das Wassersieb soll dabei Meereslebewesen sowie Algen und Mikroorganismen kaum schädigen.

Das Video von Slats Vortrag ging im Netz viral, 2013 gründete der damalige Raumfahrtingenieursstudent dann The Ocean Cleanup, sammelte über Crowdfunding umgerechnet rund zwei Millionen Euro an Spenden ein und machte sich mit Ingenieuren und Experten an die Arbeit. Anfang September soll nun der Prototyp hinaus zum Great Pacific Garbage Patch gezogen werden. Die Filter, befestigt an zwei riesigen Luftarmen, sammeln Plastikreste ein, die die Meeresströmung in sie hineintreibt. Bis in eine Tiefe von drei Metern, sodass etwa Fische darunter ungestört weiterschwimmen können.